Sechzehn Jahre lang prägte sie die deutsche und europäische Politik – nun erhält Angela Merkel ihren Platz in der Bildergalerie des Kanzleramts.
Ein Bild für die Galerie
Im Bundeskanzleramt ist es Tradition, jeden ehemaligen Regierungschef mit einem Gemälde zu würdigen. Diese sogenannte Ahnengalerie versammelt die Porträts der bisherigen Kanzler – und wird nun um das Bildnis der ersten Bundeskanzlerin ergänzt. Gemalt hat es der deutsch-französische Künstler Jérémie Queyras, der dafür eigens über längere Zeit mit Merkel arbeitete. Bemerkenswert ist sein junges Alter: Der Maler steht erst am Anfang seiner Laufbahn.
Erst Museum, dann Kanzleramt
Bevor das Werk seinen festen Platz im Kanzleramt einnimmt, kann es die Öffentlichkeit sehen: Das Porträt wird zunächst im Berliner Bode-Museum auf der Museumsinsel ausgestellt, ehe es ins Regierungsgebäude umzieht. So lässt sich das Bild zuerst als eigenständiges Kunstwerk betrachten, bevor es in die Reihe der politischen Geschichte eintritt.
Eine alte Tradition
Die Reihe der Kanzlerporträts geht auf Helmut Schmidt zurück, der sich vom Maler Bernhard Heisig porträtieren ließ. Seither folgten die Bildnisse seiner Nachfolger – Helmut Kohl wurde von Albrecht Gehse gemalt, Gerhard Schröder von Jörg Immendorff in einer markant strengen, fast statuenhaften Darstellung. Jedes dieser Werke spiegelt nicht nur die Person, sondern auch den künstlerischen Blick seiner Zeit. Merkels Porträt schließt nun eine Lücke, denn ein neues Bild war der Galerie lange nicht hinzugefügt worden.
Gelassenheit vor der eigenen Geschichte
Merkel selbst nahm die Verewigung mit der ihr eigenen Nüchternheit auf. Es sei ein eigentümliches Gefühl, langsam selbst zur Geschichte zu werden, ließ sie durchblicken – ohne großes Pathos. Ihre Amtszeit von 2005 bis 2021 fiel in eine Zeit großer Erschütterungen, von der Finanz- und Eurokrise über die Energiewende bis zur Flüchtlingspolitik. Wie die Geschichtsschreibung diese 16 Jahre einordnet, ist noch offen. Ihr Bild im Kanzleramt aber wird künftige Besucher und Regierungschefs daran erinnern, dass hier erstmals eine Frau an der Spitze der Bundesrepublik stand.



