Es gehört zu den schönsten Rathäusern Deutschlands – doch im Verborgenen kämpft das Lübecker Rathaus gegen einen hartnäckigen Gegner: den Rost.
Risse als Alarmsignal
Aufgefallen war das Problem an einer unscheinbaren Stelle: Risse im Bodenbelag des Foyers deuteten darauf hin, dass mit der tragenden Konstruktion etwas nicht stimmt. Die Untersuchung brachte es ans Licht: Die stählernen Träger, die das Foyer und das Treppenhaus stützen und aus dem späten 19. Jahrhundert stammen, sind stark korrodiert. An entscheidenden Stellen hat der Rost so viel Material gefressen, dass die Tragfähigkeit gefährdet ist.
Eingriff im Untergrund
Damit das schwere Foyer während der Arbeiten sicher bleibt, wurden im darunterliegenden Ratskeller zahlreiche Stützen eingebaut, die die Lasten vorübergehend übernehmen. Anschließend werden die maroden Träger durch neue, massive Stahlprofile ersetzt – ein logistisch heikles Unterfangen, denn die schweren Bauteile müssen durch die historischen Gewölbe an ihren Platz gebracht werden. Die Sanierung ist auf mehrere Bauabschnitte angelegt und dürfte sich über einen längeren Zeitraum hinziehen. Das Rathaus bleibt dabei in Teilen in Betrieb.
Ein Wahrzeichen mit langer Geschichte
Das Lübecker Rathaus zählt zu den bedeutendsten Bauwerken der norddeutschen Backsteingotik. Mit seinen markanten Türmen, dunklen Backsteinen und den charakteristischen Windscheiben prägt es seit Jahrhunderten den Marktplatz der Hansestadt. Seit 1987 gehört die Lübecker Altstadt zum UNESCO-Welterbe – das Rathaus ist eines ihrer Glanzstücke. Dass ein solcher Bau über die Jahrhunderte immer wieder ertüchtigt werden muss, gehört zu seiner Geschichte dazu.
Erbe braucht Pflege
Der Fall zeigt, wie viel Arbeit hinter dem Erhalt historischer Gebäude steckt. Was von außen unverändert und ewig wirkt, ist im Inneren ein ständiges Ringen gegen Witterung, Materialermüdung und – wie hier – Korrosion. Die aufwendige Stahlkur ist deshalb mehr als eine Reparatur: Sie ist eine Investition in die Zukunft eines Denkmals, das auch kommende Generationen über den Lübecker Markt wachen sehen sollen.



