Das frühe Ausscheiden gegen Paraguay sitzt tief. Doch noch in der Nacht der Enttäuschung stellten die beiden wichtigsten Männer der Nationalmannschaft klar: Sie wollen weitermachen.
Nagelsmann: kein Weglaufen
Bundestrainer Julian Nagelsmann schloss einen Rücktritt aus. „Ich bin keiner, der wegläuft", sagte er und fügte hinzu, er stehe bereit – die Entscheidung über seine Zukunft liege letztlich beim Verband. Mit Selbstmitleid hielt sich der Trainer nicht auf, übte aber deutliche Kritik an der eigenen Mannschaftsleistung: Es habe an Durchschlagskraft gefehlt, das Team habe lange gebraucht, um sein Spiel aufzuziehen. Ein Schuldeingeständnis, keine Schuldzuweisung.
Kimmich übernimmt Verantwortung
Auch Kapitän Joshua Kimmich schloss einen Rücktritt aus der Nationalmannschaft aus. Verantwortung suchte er dabei nicht im Außen: Nicht der Schiedsrichter, nicht das Pech vom Punkt, sondern die Spieler auf dem Platz müssten geradestehen. Der Münchener gab sich kämpferisch und betonte den Willen, die Sache aufzuarbeiten und einen neuen Anlauf zu nehmen.
Aufarbeitung statt Schuldsuche
Auffällig an beiden Auftritten war das Fehlen gegenseitiger Vorwürfe. Trainer und Kapitän stellten sich gemeinsam vor die Mannschaft – und vor sich selbst. Damit stemmen sie sich gegen das vertraute Muster, das deutsche Turniermisserfolge oft begleitet: die laute Suche nach einem Schuldigen. Ob diese Geschlossenheit hält, wenn die erste Wut der Fans und die Kritik in den Medien anschwellen, ist eine andere Frage.
Die Entscheidung liegt beim DFB
Klar ist: Über Nagelsmanns Zukunft entscheidet er nicht allein. Der DFB muss abwägen, ob er nach dem dritten enttäuschenden Turnier in Folge auf Kontinuität setzt oder einen Neuanfang sucht. Für die Mannschaft beginnt damit eine Phase der Analyse – mit der nächsten großen Aufgabe, der Europameisterschaft, schon am Horizont. Die Worte von Nagelsmann und Kimmich sind ein erstes Signal: Aufgeben wollen sie nicht.



