Die junge Erde war ein Höllenplanet: glühend, instabil und ständig von Brocken aus dem All getroffen. Eine neue Studie zeigt, dass genau dieses Bombardement einen entscheidenden Schritt der Erdgeschichte ausbremste – die Bildung der Kontinente.
Energie aus dem All
In ihrer Frühzeit, dem sogenannten Hadaikum vor mehr als vier Milliarden Jahren, wurde die Erde unablässig von Asteroiden getroffen. Ein Forschungsteam – beteiligt sind unter anderem Wissenschaftler australischer Universitäten – hat berechnet, wie viel Wärme diese Einschläge in den Planeten brachten. Das Ergebnis ist eindrücklich: Die von außen zugeführte Energie übertraf die innere Wärmeproduktion der Erde um ein Vielfaches. Der Planet wurde gewissermaßen von oben befeuert.
Eine Kruste, die nicht zur Ruhe kam
Diese gewaltige Hitzezufuhr hatte Folgen für die äußere Hülle der Erde. Die Kruste blieb dünn, heiß und teilweise aufgeschmolzen – und damit instabil. Im Erdmantel kam es immer wieder zu großflächigen Schmelzprozessen, die das Material in ständiger Bewegung hielten. Unter solchen Bedingungen konnten sich keine festen, dauerhaften Kontinentalblöcke bilden: Kaum entstand irgendwo stabilere Kruste, wurde sie durch die nächste Störung wieder umgewälzt. Der Aufbau echter Kontinente war so über lange Zeit blockiert.
Der Wendepunkt
Dann änderte sich die Lage. Vor etwa 3,9 Milliarden Jahren ließ die Wucht des Bombardements deutlich nach. Mit den selteneren Einschlägen sank auch die Wärmezufuhr von außen. Die Erdkruste bekam endlich die Gelegenheit, abzukühlen und zu erstarren. Erst jetzt konnten sich stabile Platten und damit die ersten Kontinente bilden. Der zeitliche Zusammenfall von nachlassenden Einschlägen und beginnender Kontinentbildung ist für die Forschenden ein starkes Indiz, dass beides zusammenhängt.
Ein neues Bild der Urerde
Gestützt ist die Arbeit vor allem auf Computersimulationen, die die extremen Bedingungen der frühen Erde nachbilden. Damit bleibt sie ein Modell – eine plausible Erklärung, kein direkt im Gestein ablesbarer Beweis. Doch sie fügt sich gut in das Bild einer Urerde, die weit heißer und unruhiger war als lange angenommen. Vor allem rückt sie einen oft übersehenen Gedanken in den Vordergrund: Dass die Entwicklung unseres Planeten nicht allein von inneren Kräften bestimmt wurde, sondern auch von dem, was aus dem Weltall auf ihn niederging. Die Kontinente, auf denen wir heute leben, verdanken ihre späte Entstehung womöglich dem Ende eines kosmischen Dauerfeuers.



