Deutschland rüstet seine Luftverteidigung auf – und Bayern wird dabei zu einem wichtigen Standort. Im Raum Kaufbeuren soll Teil des modernsten deutschen Raketenabwehrsystems stationiert werden.
Was Arrow 3 leistet
Arrow 3 ist ein in Israel gemeinsam mit den USA entwickeltes System zur Abwehr ballistischer Raketen. Seine Besonderheit: Es fängt anfliegende Raketen in sehr großer Höhe ab – bis an den Rand des Weltraums, noch außerhalb der Atmosphäre. Damit bildet es die oberste Ebene eines mehrschichtigen Schutzes. Darunter sollen mittlere Systeme wie das Patriot und kurzreichweitige wie das deutsche IRIS-T greifen. Arrow 3 kann Bedrohungen aus großer Entfernung erfassen und schon weit weg vom Ziel zerstören.
Mehrere Standorte in Deutschland
Geplant sind insgesamt mehrere Arrow-3-Stellungen in Deutschland. Die erste ist im brandenburgischen Holzdorf bereits in Betrieb gegangen; weitere sollen im Norden und im Süden folgen. Für den süddeutschen Standort sind nach Angaben aus der Region die Orte Kaufbeuren und Lagerlechfeld vorgesehen, mit einer Aufgabenteilung: Kaufbeuren soll demnach vor allem die Radartechnik aufnehmen, Lagerlechfeld die Startgeräte. Bis das System dort einsatzbereit ist, dürften noch einige Jahre vergehen.
Milliarden für den Schutzschirm
Die Aufrüstung ist teuer. Für die Beschaffung von Arrow 3 hat Deutschland rund 3,6 Milliarden Euro veranschlagt, hinzu kommen Kosten für die Infrastruktur an den Standorten. Es ist eines der größten Rüstungsprojekte der vergangenen Jahre. Hintergrund ist die sicherheitspolitische Wende nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022: Deutschland investiert seither massiv in die Modernisierung der Bundeswehr und in den Schutz vor Raketenangriffen.
Teil eines europäischen Schutzschirms
Arrow 3 ist auch in einen größeren Rahmen eingebettet. Im Rahmen der von Deutschland angestoßenen European Sky Shield Initiative wollen zahlreiche europäische Staaten ihre Luftverteidigung gemeinsam und abgestuft organisieren – mit kurz-, mittel- und weitreichenden Systemen, die ineinandergreifen. Befürworter sehen darin einen wirksamen und kostensparenden Schutz. Kritiker mahnen, der Aufbau dürfe die Diplomatie nicht ersetzen. Für Orte wie Kaufbeuren bedeutet das Projekt vor allem eines: Sie werden Teil der sicherheitspolitischen Landkarte Europas.



