Zum Ende des ersten Halbjahres können sich Anlegerinnen und Anleger an der deutschen Börse nicht beklagen: Der DAX steht solide im Plus. Doch das Gesamtbild trügt.
Solides Plus, neues Rekordhoch
Der deutsche Leitindex hat seit Jahresbeginn um die acht Prozent zugelegt und notiert in der Region von 22.000 Punkten. Im Frühjahr hatte er sogar ein Rekordhoch markiert, ehe er etwas zurückkam. Auch international lief es freundlich: An den US-Börsen sorgte vor allem die anhaltende Begeisterung für Künstliche Intelligenz und die großen Technologiewerte für Auftrieb. Unterm Strich ist es ein versöhnlicher Abschluss eines durchwachsenen Halbjahres.
Eine zerrissene Börse
Der Durchschnitt verdeckt allerdings, wie weit Gewinner und Verlierer auseinanderliegen. Zwischen dem besten und dem schwächsten DAX-Wert klafft eine gewaltige Lücke. Ausgerechnet einige Aktien, die zuvor stark gelaufen waren, mussten kräftig Federn lassen: Der Rüstungskonzern Rheinmetall war mit einem Minus von rund 38 Prozent der schwächste Wert im Index – nach einer jahrelangen Rekordjagd folgte eine deutliche Korrektur. Auch der Softwarekonzern SAP und der Autobauer BMW verloren spürbar. Solche Ausschläge zeigen: Wer breit gestreut investiert war, kam besser durch das Halbjahr als wer auf einzelne Stars setzte.
Zinsen und Konjunktur im Blick
Bestimmt wurde der Handelsverlauf vor allem von der Geldpolitik und der Konjunktur. Die Inflation im Euroraum liegt weiter über dem Ziel der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent, während das Wirtschaftswachstum schwach bleibt. Diese Mischung hält die Notenbank in einem Dilemma – und die Märkte in Bewegung. Jede Andeutung über den künftigen Zinskurs ließ die Kurse zuletzt ausschlagen.
Vorsicht für die zweite Jahreshälfte
Für die kommenden Monate raten Beobachter zu nüchternen Erwartungen. Viele Gewinne sind bereits eingepreist, und gerade die teuer bewerteten Technologiewerte gelten als anfällig für Rückschläge. Hinzu kommen geopolitische Unsicherheiten und Handelskonflikte. Eine Garantie auf weiter steigende Kurse gibt es nicht – die erste Jahreshälfte hat vor allem gezeigt, wie sehr es derzeit auf die Auswahl der einzelnen Werte ankommt. (Dies ist keine Anlageberatung.)



