Während die Solar- und Windkraft in Deutschland kräftig ausgebaut wird, rückt eine andere Technik in den Mittelpunkt: der Stromspeicher. In Sachsen-Anhalt entsteht gerade eine Anlage der Superlative.

Ein Großspeicher in Förderstedt

In Förderstedt bei Staßfurt baut das deutsch-norwegische Unternehmen Eco Stor einen besonders großen Batteriespeicher. Nach Angaben der Branche soll die Anlage eine Speicherkapazität von rund 700 Megawattstunden und eine Leistung von etwa 300 Megawatt erreichen – und wäre damit nach derzeitigem Stand der größte ihrer Art in Deutschland. Das Unternehmen investiert den Angaben zufolge einen dreistelligen Millionenbetrag. Rein rechnerisch könnte ein Speicher dieser Größe Hunderttausende Haushalte für einige Stunden mit Strom versorgen.

Wozu Stromspeicher gebraucht werden

Der Sinn solcher Anlagen liegt im Wesen der erneuerbaren Energien: Sonne und Wind liefern Strom nicht gleichmäßig, sondern je nach Wetter und Tageszeit. Mal gibt es zu viel, mal zu wenig. Große Batterien können den Überschuss aufnehmen, wenn die Sonne scheint oder der Wind weht, und ihn wieder abgeben, wenn die Nachfrage hoch ist. Zudem reagieren sie blitzschnell und helfen, die Frequenz im Stromnetz stabil zu halten – eine Aufgabe, die früher vor allem konventionelle Kraftwerke übernahmen.

Ein Boom mit Ansage

Förderstedt ist kein Einzelfall, sondern Teil einer Welle. In Deutschland werden derzeit so viele Großspeicher gebaut wie nie zuvor; die installierte Kapazität ist zuletzt sprunghaft gestiegen. Der Grund: Mit jedem zusätzlichen Solar- und Windpark wächst der Bedarf, Schwankungen auszugleichen. Speicher werden so vom Nischenprodukt zur Schlüsselinfrastruktur. Sachsen-Anhalt, ein Schwergewicht der Windkraft, gehört dabei zu den führenden Regionen.

Noch viele Fragen offen

Bei allem Schwung gibt es auch offene Punkte. Fachleute weisen darauf hin, dass der Ausbau klare Regeln und einen passenden Rechtsrahmen braucht, damit Speicher sich wirtschaftlich betreiben lassen und sinnvoll ins Netz eingebunden werden. Auch der Netzanschluss und die Genehmigungen können Projekte bremsen. Die Anlage in Förderstedt zeigt aber, wohin die Reise geht: Ohne große Speicher wird die Energiewende kaum gelingen – und genau deshalb dürften in den kommenden Jahren noch viele weitere folgen.