Es ist ein Einschnitt in einer fast 800-jährigen Geschichte: Der Kölner Dom, das meistbesuchte Wahrzeichen Deutschlands, verlangt erstmals Eintritt. Seit dem 1. Juli zahlen Touristen für die Besichtigung des UNESCO-Weltkulturerbes eine Gebühr – ein Schritt, der eine Debatte über Zugang, Glauben und Geld ausgelöst hat.
Zwölf Euro – mit vielen Ausnahmen
Die touristische Besichtigung kostet nach Angaben des Erzbistums zwölf Euro. Entscheidend ist dabei die Unterscheidung zwischen Gast und Gläubigem: Wer zum Gottesdienst kommt oder zum persönlichen Gebet, hat weiterhin kostenlos Zutritt. Auch Kinder bis 13 Jahre sowie Menschen mit Schwerbehinderung und ihre Begleitung sind frei; Schüler ab 14, Studierende und Auszubildende zahlen sechs Euro. Hinzu kommen einzelne freie Tage im Jahr, etwa am 1. Mai, am 3. Oktober und rund um die Dreikönigswallfahrt.
Warum die Gebühr?
Hinter dem Schritt steht schlicht das Geld. Der Erhalt und Betrieb des gewaltigen Bauwerks verschlingt nach Angaben des Doms rund 16 Millionen Euro im Jahr – für Restaurierung, Sicherheit, Reinigung und Personal. Der Dom zieht jedes Jahr mehrere Millionen Besucher an; die schiere Masse setzt dem Bauwerk zu und treibt die Kosten. Mit den Eintrittsgeldern will das Domkapitel die dauerhafte Instandhaltung sichern, für die die berühmte Dombauhütte zuständig ist.
Streit um den Zugang
Unumstritten ist die Neuerung nicht. Der SPD-Landtagsfraktionschef Jochen Ott fordert einen wöchentlichen kostenlosen Tag – etwa samstags – für alle Bürgerinnen und Bürger aus Nordrhein-Westfalen. Sein Argument: Wer in der Region lebe und den Dom besuchen wolle, sei kein Tourist, sondern Teil einer gemeinsamen Geschichte. Auch die frühere Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner hatte im Vorfeld vor einer Kommerzialisierung des Sakralraums gewarnt: Es müsse auch nicht-kommerzielle Räume geben, gerade in einer Kirche.
Kein Sonderweg
So ungewohnt der Eintritt im Dom wirkt – ein Alleingang ist er nicht. Viele große Kathedralen Europas verlangen längst Geld: In London kostet der Besuch von St Paul's oder der Westminster Abbey umgerechnet rund 30 Euro, die Sagrada Família in Barcelona nimmt ab 26 Euro, der evangelische Berliner Dom 15 Euro. Andere deutsche Kirchen wie der Regensburger Dom oder die Münchner Frauenkirche sind im Innenraum dagegen weiter frei zugänglich. Der Kölner Dom versucht nun einen Mittelweg: den Betrieb sichern und zugleich den Zugang zum Gebet offenhalten. Ob das die Kritiker besänftigt, wird sich zeigen.



