Wenige Tage vor dem NATO-Gipfel hat US-Präsident Donald Trump erneut gegen Deutschland ausgeteilt. In einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social bezeichnete er die deutschen Beiträge zum Verteidigungsbündnis als „lächerlich". Die USA gäben „mit Abstand" mehr Geld für die NATO aus als jedes andere Land, so Trump; die deutschen Beiträge seien deutlich niedriger. Konkrete Zahlen zu Deutschland nannte er nicht.
Attacke im Vorfeld des Gipfels
Trumps Vorstoß fällt in eine sensible Phase: Am 7. und 8. Juli treffen sich die Staats- und Regierungschefs des Bündnisses in der türkischen Hauptstadt Ankara. Der Präsident nutzt seine Kritik erkennbar als Druckmittel, um die europäischen Verbündeten zu höheren Ausgaben zu bewegen – ein wiederkehrendes Muster seiner Bündnispolitik. Die Debatte um eine gerechtere Lastenteilung begleitet die Allianz seit Jahren; unter Trump hat sie an Schärfe gewonnen. Im Zentrum steht dabei das Zwei-Prozent-Ziel, wonach die Mitglieder mindestens zwei Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für Verteidigung aufwenden sollen – über noch höhere Zielmarken wird bereits diskutiert.
Die Zahlen widersprechen dem Vorwurf
Die verfügbaren Daten stützen Trumps Darstellung nicht. Laut NATO-Angaben lag Deutschland 2025 bei den absoluten Verteidigungsausgaben auf Platz zwei im Bündnis – hinter den USA. Die deutschen Ausgaben stiegen inflationsbereinigt um mehr als 20 Prozent auf 88,8 Milliarden Euro. Damit gehört die Bundesrepublik zu den Treibern der europäischen Aufrüstung: Insgesamt erhöhten die europäischen Verbündeten und Kanada ihre Verteidigungsausgaben 2025 um 19,6 Prozent auf rund 574 Milliarden US-Dollar.
Hintergrund der deutschen Aufstockung ist eine sicherheitspolitische Kehrtwende infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Über ein Sondervermögen und höhere reguläre Etatmittel baut Deutschland seine militärischen Fähigkeiten aus – von der Modernisierung der Bundeswehr bis zur dauerhaften Stationierung einer Brigade in Litauen an der NATO-Ostflanke.
Pistorius bleibt betont gelassen
Auf deutscher Seite bemüht man sich, die Wogen zu glätten. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) reagierte gelassen auf die transatlantischen Spannungen und stellte klar, dass er die Partnerschaft mit Washington nicht grundsätzlich gefährdet sieht. Nach übereinstimmenden Berichten sprach er sinngemäß davon, dass es sich bei den jüngsten Reibereien um keine „Ehekrise" mit den USA handele – Meinungsverschiedenheiten kämen auch in engen Beziehungen vor.
Zugleich hatte Pistorius die US-Regierung in der Vergangenheit deutlich kritisiert, etwa wenn europäische Partner von zentralen Sicherheitsverhandlungen ausgeschlossen wurden. Die Bundesregierung steht damit vor einer doppelten Aufgabe: Sie will die transatlantische Achse stabil halten und zugleich europäische Interessen selbstbewusst vertreten. Beim Gipfel in Ankara dürfte die Lastenteilung erneut zum Streitpunkt werden – die Zahlen sprechen für Deutschland, die Rhetorik aus Washington bleibt davon jedoch unbeeindruckt.



