Es war eine der schwersten Nächte für die ukrainische Hauptstadt seit Beginn des russischen Angriffskriegs. In den frühen Stunden des 2. Juli überzog Russland Kiew und weitere Städte mit einer massiven Welle aus Drohnen und Raketen. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko sprach von einem der schwersten Luftangriffe seit der Invasion von 2022.
Hunderte Flugobjekte in einer Nacht
Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte Russland in der Nacht mehr als 550 Flugobjekte ein – überwiegend Angriffsdrohnen, dazu ballistische Raketen des Typs Iskander, zahlreiche Marschflugkörper und Hyperschall-Lenkwaffen. Die Flugabwehr fing nach eigenen Angaben den Großteil davon ab, mehr als 500 Objekte. Dass dennoch so viele Geschosse ihr Ziel erreichten, zeigt, wie sehr die schiere Masse eines solchen kombinierten Angriffs selbst eine gut ausgebaute Luftverteidigung überfordert.
Zahlreiche Opfer, Zahlen noch im Fluss
Über die Zahl der Opfer gab es zunächst unterschiedliche Angaben, die im Lauf des Tages mit den Rettungsarbeiten stiegen. Ukrainische Stellen meldeten mindestens rund zwei Dutzend Tote und etwa hundert Verletzte; Dutzende Menschen mussten in Krankenhäusern behandelt werden. Da unter den Trümmern noch nach Verschütteten gesucht wurde, blieben die Angaben vorläufig. Getroffen wurden nach offiziellen Angaben Wohnhäuser, ein Hotel und Gebäude der Telekommunikationsinfrastruktur; in Teilen der Stadt fielen Internetverbindungen aus.
Selenskyj fordert mehr Luftabwehr
Präsident Wolodymyr Selenskyj verurteilte den Angriff scharf und kündigte eine Reaktion an. „Wir sind für einen gerechten Frieden", sagte er sinngemäß, und solange es diesen nicht gebe, brauche es „gerechte Reaktionen". Vor allem aber erneuerte er seine dringende Bitte an die westlichen Partner: Moderne Flugabwehrsysteme seien für die Ukraine von höchster Priorität. Angesichts der immer größeren Drohnen- und Raketenwellen könne das Land seine Städte ohne zusätzliche Systeme kaum dauerhaft schützen.
Reaktionen aus der EU
Auf europäischer Ebene kündigte die Außenbeauftragte Kaja Kallas als Reaktion neue Sanktionen an, die sich unter anderem gegen an der Drohnenproduktion beteiligte Stellen richten sollen. Der nächtliche Großangriff verschärft damit erneut den diplomatischen Druck – und unterstreicht zugleich, wie wenig die internationalen Bemühungen um eine Waffenruhe bislang an der Realität des Luftkriegs geändert haben.



