Die jüngste Hitzewelle hat viele Menschen aufgerüttelt – und das schlägt sich in einer klaren politischen Erwartung nieder: Eine überwältigende Mehrheit der Deutschen wünscht sich, dass der Staat mehr Geld in den Schutz vor extremer Hitze steckt.
Deutliches Votum für mehr Vorsorge
Nach einer aktuellen Umfrage befürworten 89 Prozent der Befragten zusätzliche Investitionen in den Hitzeschutz – etwa in hitzeresistente Verkehrswege, Schulen und Krankenhäuser. Nur neun Prozent sind dagegen. Die repräsentative Erhebung führte das Institut Infratest dimap für den ARD-Deutschlandtrend durch; befragt wurden zwischen dem 29. Juni und 1. Juli 1.317 Wahlberechtigte, telefonisch und online.
Wachsende Sorge – und ein Geschlechterunterschied
Hinter dem Wunsch nach Schutz steht eine tiefer sitzende Beunruhigung. 66 Prozent der Befragten machen sich große oder sehr große Sorgen, dass der Klimawandel ihre Lebensgrundlagen zerstört. Auffällig ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern: Unter den Frauen äußern 74 Prozent diese Sorge, unter den Männern 59 Prozent. Und 58 Prozent lehnen es ab, den Klimaschutz angesichts anderer Krisen hintanzustellen.
Streit ums Bezahlen
So einig sich die Befragten beim Ziel sind, so uneins sind sie bei den Mitteln. Eine ökologische Kostenbeteiligung in Form einer CO₂-Steuer lehnen 54 Prozent ab, nur 38 Prozent unterstützen sie. Die Verantwortung sehen die Menschen zudem eher bei den Unternehmen: 59 Prozent nehmen vor allem die Industrie in die Pflicht, 33 Prozent eher die Verbraucher. Mehr Schutz ja – aber möglichst, ohne selbst tiefer in die Tasche zu greifen.
Der Hintergrund: ein heißer Juni
Die Wucht der Zustimmung erklärt sich aus der jüngsten Erfahrung. Der Juni 2026 brachte eine der frühesten und längsten Hitzewellen seit Beginn der modernen Aufzeichnungen; in Sachsen-Anhalt wurden knapp 42 Grad gemessen. Solche Extreme sind kein Ausreißer, sondern folgen einem Trend: Die Zahl der heißen Tage in Deutschland hat sich seit der Mitte des 20. Jahrhunderts vervielfacht. Für die Gesundheit ist das gefährlich – vor allem für alte, kranke und alleinlebende Menschen; Fachleute rechnen jeden Hitzesommer mit zusätzlichen Todesfällen.
Pläne sind da, die Umsetzung stockt
Ganz untätig ist die Politik nicht: Ein nationaler Hitzeschutzplan existiert seit einigen Jahren, und viele Kommunen erarbeiten örtliche Hitzeaktionspläne – von mehr Trinkbrunnen und schattenspendenden Bäumen bis zu Warn- und Hilfsangeboten für Risikogruppen. Doch zwischen Plänen und spürbaren Maßnahmen vor Ort klafft vielerorts noch eine Lücke. Die neue Umfrage zeigt: Die Bevölkerung würde einen entschlosseneren Ausbau mittragen. Über den Weg dorthin – und die Finanzierung – wird aber weiter gestritten.



