Im Tarifstreit des deutschen Handels zieht die Gewerkschaft ver.di die Zügel an. Nachdem in den vergangenen Wochen bereits in vielen Betrieben die Arbeit ruhte, ruft die Gewerkschaft für diesen Freitag zu neuen Warnstreiks und Kundgebungen auf, um in den festgefahrenen Verhandlungen Bewegung zu erzwingen.

Was ver.di fordert

Im Zentrum steht die Tarifrunde für den Einzel- und Versandhandel, die rund 5,2 Millionen Beschäftigte betrifft. Ver.di verlangt sieben Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten und lehnt Einmalzahlungen als Ersatz für dauerhafte Erhöhungen ausdrücklich ab. Darüber hinaus dringt die Gewerkschaft auf mehr Vollzeitstellen statt unfreiwilliger Teilzeit und auf eine stärkere Tarifbindung in einer Branche, in der viele Betriebe gar keinen Tarifvertrag anwenden.

Das Angebot der Arbeitgeber

Die Arbeitgeberseite liegt weit von diesen Forderungen entfernt. Das vorliegende Angebot sieht zunächst mehrere Nullmonate vor, dann eine Erhöhung um zwei Prozent ab November 2026 und ein weiteres Plus von 1,5 Prozent ab August 2027 – bei einer langen Laufzeit. Auf das Jahr gerechnet bleibt davon nach Rechnung der Gewerkschaft ein Zuwachs, der unter der Teuerung liegt. Entsprechend verhärtet sind die Fronten.

Von der Kasse auf die Straße

Der Arbeitskampf läuft seit dem Frühsommer. Nach Gewerkschaftsangaben legten am 19. Juni die Beschäftigten in mehr als der Hälfte der deutschen IKEA-Häuser die Arbeit nieder, am 25. Juni folgten über 100 Kaufland-Filialen. Betroffen waren zuvor bereits Beschäftigte großer Ketten aus Lebensmittel- und Modehandel. Für Freitag, den 3. Juli, sind nun in mehreren Städten – darunter Hannover – Warnstreiks mit zentralen Kundgebungen angekündigt.

Ein Konflikt mit Signalwirkung

Für die Beschäftigten geht es um mehr als ein paar Prozent: Der Handel gehört zu den größten Arbeitgebern des Landes, viele Löhne liegen im unteren Bereich, und ein großer Teil der Stellen ist Teilzeit. Ein Abschluss hier hat deshalb Signalwirkung weit über die Branche hinaus. Wie lange der Tarifkonflikt noch dauert, ist offen – ver.di hat angekündigt, die Warnstreiks weiter zu verschärfen, sollte sich am Verhandlungstisch nichts bewegen.