Wenn die Mähdrescher ausrücken, beginnt für die Landwirtschaft die entscheidende Zeit des Jahres. Doch die diesjährige Getreideernte steht unter keinem guten Stern: Hitze und hohe Kosten setzen den Betrieben gleichzeitig zu.
Hitze bremst die Körner
Der extrem heiße Juni hat Spuren hinterlassen. Nach Angaben des Deutschen Bauernverbands schaltet Getreide ab Temperaturen über 27 Grad in eine Art Selbsterhaltungsmodus: Die Pflanze konzentriert sich aufs Überleben statt aufs Wachstum. Die Folge sind kleinere Körner, Qualitätseinbußen und geringere Erträge. Zwar liegt die Getreidefläche mit 6,03 Millionen Hektar leicht über dem Vorjahreswert von 5,92 Millionen Hektar – doch die größere Fläche gleicht die wetterbedingten Einbußen nur zum Teil aus. Bauernpräsident Joachim Rukwied rechnet insgesamt mit einer durchschnittlichen Ernte, bei deutlichen regionalen Unterschieden.
Der Diesel frisst die Marge
Mindestens ebenso schwer wiegen die Kosten. Ein Agrarbetriebsleiter aus Brandenburg rechnete vor, wie teuer allein der Kraftstoff geworden ist: Ein moderner Mähdrescher verbraucht mehr als 1.000 Liter Diesel am Tag – im Vergleich zum Vorjahr summiert sich das auf über 500 Euro Mehrkosten pro Tag. Über eine ganze Saison kommen so schnell mehr als 100.000 Euro zusätzlich zusammen. Dazu addieren sich gestiegene Preise für Dünger und Energie. Wenn die Erlöse mit diesen Kosten nicht Schritt halten, bleibt für die Betriebe am Ende wenig übrig.
Was der Verband fordert
Der Bauernverband dringt deshalb auf Entlastung. Ganz oben auf der Liste steht die Verlängerung des Agrardiesel-Rabatts (Tankrabatt) bis Ende November, um die hohen Kraftstoffkosten abzufedern. Außerdem verlangt der Verband schnellere Zulassungen für wirksame Pflanzenschutzmittel – unter anderem im Kampf gegen die Schilf-Glasflügelzikade, die in einigen Regionen Schäden anrichtet.
Ein Muster, das sich verfestigt
Der Blick über dieses Erntejahr hinaus stimmt viele Landwirte nachdenklich. Extremwetterlagen – Hitze, Trockenheit, aber auch Starkregen – häufen sich, und sie treffen eine Branche, deren Kosten seit Jahren steigen. Größere Anbauflächen und ordentliche Durchschnittserträge können darüber nicht hinwegtäuschen: Die Frage der Rentabilität wird für viele Höfe zur eigentlichen Belastungsprobe. Diese Ernte dürfte für nicht wenige zu den schwierigeren der vergangenen Jahre zählen.



