Es ist eine jener Zahlen, die eine Wunde messbar machen: Rund 1.000 Tage sind seit dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 vergangen. An diesem Tag hat Israel der Opfer gedacht – in stiller Trauer und zugleich mit einer drängenden politischen Forderung.

Gedenken im ganzen Land

Die erste Zeremonie begann nach Angaben des Handelsblatts am frühen Morgen an einer Kreuzung in Galiläa im Norden des Landes. Über den Tag verteilt folgten zahlreiche weitere Veranstaltungen. Zu einem zentralen Ort des Gedenkens wurde erneut der sogenannte Geiselplatz im Zentrum Tel Avivs, wo sich Menschen zu einer Kundgebung versammelten.

Die Bilanz des Überfalls ist dokumentiert: Beim Angriff der Hamas wurden rund 1.200 Menschen getötet, mehr als 250 wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Hinter diesen nüchternen Zahlen stehen unzählige einzelne Schicksale – Getötete, Vermisste, traumatisierte Überlebende und Familien, die bis heute auf Angehörige warten.

Die Geiseln im Mittelpunkt

Für viele Israelis ist der Jahrestag vor allem ein Tag der Mahnung: Noch immer sind nicht alle Verschleppten zurück. Auf dem Geiselplatz und bei anderen Kundgebungen fordern Angehörige seit Monaten Verhandlungen und die Rückkehr der Festgehaltenen. Ein freigelassener deutsch-israelischer Geiselüberlebender brachte das Ausmaß des Erlebten in Worte, die haften bleiben: In diesen 1.000 Tagen habe er „1.000 Leben durchlebt".

Trauer und politischer Streit

Das Gedenken ist in Israel nicht frei von scharfen politischen Auseinandersetzungen. Oppositionspolitiker werfen der Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor, sich der Verantwortung für das Sicherheitsversagen des 7. Oktober entziehen zu wollen. Der frühere Verteidigungsminister Avigdor Lieberman nannte das Massaker die „schlimmste Katastrophe in der Geschichte des jüdischen Volkes seit dem Holocaust".

Diese Debatte zeigt, dass mit dem Jahrestag längst nicht nur Trauer verbunden ist, sondern auch offene Fragen: nach den Versäumnissen vor dem Angriff, nach dem Schicksal der verbliebenen Geiseln und nach einem Weg aus dem Krieg. Klar ist nur eines: Der 7. Oktober 2023 hat sich tief in das kollektive Gedächtnis Israels eingebrannt – und wird es über den 1.000. Tag hinaus prägen.