Über Flughäfen, Militärbasen und Stützpunkten: Ein Bericht des Londoner Instituts für Strategische Studien (IISS) zeichnet das Bild einer systematischen Drohnen-Ausspähung über Europa – und Deutschland steht darin weit oben. Wichtig vorweg: Es handelt sich um die Analyse einer Denkfabrik, nicht um eine offizielle Regierungsmitteilung.

Was der Bericht zusammenträgt

Nach der Auswertung des International Institute for Strategic Studies, über die die Nachrichtenagentur dpa berichtet, gab es zwischen August 2024 und Februar 2026 insgesamt 144 verdächtige Drohnenvorfälle in 13 europäischen Ländern. Deutschland war mit 58 Ereignissen am häufigsten betroffen, gefolgt von Belgien mit 25 Vorfällen. Ziel waren demnach vor allem sicherheitsrelevante Orte.

Ramstein und Bundeswehr-Standorte

In Deutschland richtete sich der Verdacht unter anderem auf den US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein, über dem es dem Bericht zufolge sechs ungeklärte Vorfälle gab, sowie auf die Bundeswehr-Standorte Manching und Neuburg an der Donau. In Belgien zählt der Bericht auch Überflüge über der Luftwaffenbasis Kleine-Brogel, auf der US-Atomwaffen vermutet werden. Das Muster – wiederkehrende Drohnen über militärischer Infrastruktur – deutet aus Sicht der Autoren auf gezielte Aufklärung hin.

Die Rolle der Schattenflotte

Besonders brisant ist die Frage, von wo aus die Drohnen gestartet wurden. Laut Bericht kamen sie teils von Schiffen: von Tankern der russischen „Schattenflotte", von Frachtern in Küstennähe und von kleineren Wasserfahrzeugen. Diese Schattenflotte – überalterte Tanker, mit denen Russland Sanktionen bei Ölexporten umgeht – gerät damit auch als mögliche mobile Startplattform in den Blick.

Vorsicht bei der Einordnung

So konkret die Zahlen wirken, so wichtig ist die Zurückhaltung bei der Bewertung. Der Bericht stammt von einem Institut, nicht von einer Ermittlungsbehörde; eine westliche Regierung hat die Vorwürfe bislang nicht offiziell bestätigt. Klar ist aber, dass Drohnensichtungen über kritischer Infrastruktur die Sicherheitsbehörden seit geraumer Zeit beschäftigen. Sie gelten als typisches Element einer hybriden Bedrohung, bei der die Grenze zwischen Spionage, Einschüchterung und Provokation bewusst verwischt wird. Genau das macht die Abwehr so schwierig: Wer eine Drohne am Nachthimmel entdeckt, weiß zunächst weder, wem sie gehört, noch, was sie bezweckt.