Es ist eines der wichtigsten und zugleich zähesten Bahnprojekte Deutschlands: die neue Schnellfahrstrecke zwischen Frankfurt und Mannheim. Nun kommt das seit Jahrzehnten diskutierte Vorhaben ein Stück voran – wobei es sich um Fortschritte im Planungs- und Genehmigungsverfahren handelt, nicht um den ersten Spatenstich.

Was geplant ist

Die geplante Neubaustrecke ist rund 57,8 Kilometer lang und für Geschwindigkeiten bis 300 km/h ausgelegt. Sie soll die bestehenden Schnellfahrstrecken Köln–Rhein/Main und Mannheim–Stuttgart verbinden und damit eine Lücke zwischen zwei der wichtigsten Eisenbahnkorridore des Landes schließen. Aktuell arbeitet sich das Projekt Abschnitt für Abschnitt durch das aufwendige Planfeststellungsverfahren; parallel laufen vorbereitende Arbeiten wie Baugrunderkundungen entlang der geplanten Trasse.

Der Nutzen: Tempo und vor allem Kapazität

Für die Fahrgäste bringt die Strecke kürzere Reisezeiten – die Fahrzeit zwischen Frankfurt und Stuttgart etwa soll spürbar sinken. Mindestens ebenso wichtig ist aber der Kapazitätsgewinn. Die heutige Verbindung, zu der die Riedbahn gehört, zählt zu den meistbefahrenen Strecken Deutschlands. Die Neubaustrecke soll den schnellen Fernverkehr aufnehmen und tagsüber entlasten, während sie nachts dem Güterverkehr dient. Das schafft auf den Bestandsgleisen Platz für den Regional- und Nahverkehr und verringert den Engpass auf einer chronisch überlasteten Achse. Die Riedbahn selbst war zuvor monatelang generalsaniert worden und ist seit Ende 2024 wieder in vollem Betrieb.

Kosten und Zeitplan

Billig ist das alles nicht. Die im Bundesverkehrswegeplan hinterlegten Kosten liegen im Bereich von knapp zwei Milliarden Euro; regionale Zusatzwünsche, vor allem längere Tunnel, dürften die tatsächliche Summe darüber hinaus treiben. Die Finanzierung gilt angesichts des angespannten Bundeshaushalts als Herausforderung, auch wenn das Projekt im Bedarfsplan als dringend eingestuft ist. Ein konkreter Baubeginn steht noch aus; mit der Inbetriebnahme wird frühestens in den 2030er-Jahren gerechnet.

Einordnung

Die Neubaustrecke ist ein Kernstück des angestrebten „Deutschlandtakts" und der Verlagerung von Verkehr auf die Schiene. Ihr langsamer Weg zeigt aber auch das grundsätzliche Dilemma großer Infrastrukturprojekte in Deutschland: Zwischen erster Idee und fertiger Strecke vergehen Jahrzehnte, geprägt von Planung, Einwendungen und Finanzierungsfragen. Für Reisende zwischen Rhein-Main und dem Süden bleibt die schnellere Verbindung damit vorerst ein Versprechen – aber eines, das mit jedem Verfahrensschritt konkreter wird.