Die Koalition will die Alterssicherung zukunftsfest machen – doch die Bürgerinnen und Bürger sind skeptisch, ob das gelingt. Einer aktuellen Erhebung des Instituts Infratest dimap für den ARD-Deutschlandtrend zufolge traut eine Mehrheit dem Rentenreformpaket nicht zu, sein Ziel zu erreichen.
Klares Misstrauen beim Gesamtpaket
Nur 35 Prozent der Befragten halten die Reform für geeignet, die Rente für die Zukunft stabiler zu machen. 52 Prozent glauben das nicht. Für die repräsentative Umfrage befragte Infratest dimap zwischen dem 29. Juni und dem 1. Juli 1.317 Wahlberechtigte telefonisch und online; die übliche Fehlertoleranz liegt bei zwei bis drei Prozentpunkten.
Einzelne Maßnahmen: von breiter Zustimmung bis klarer Ablehnung
Aufschlussreich ist der Blick auf die einzelnen Bausteine des Pakets, denn die Bewertung fällt sehr unterschiedlich aus. Am größten ist die Zustimmung dort, wo mehr Menschen einzahlen sollen: Dass künftig auch Selbstständige, Politikerinnen und Politiker sowie Vorstandsmitglieder in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, befürworten 84 Prozent. Auch eine kapitalgedeckte Zusatzvorsorge findet mit 56 Prozent eine Mehrheit.
Ganz anders sieht es bei zwei anderen Vorhaben aus. Die Idee, das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung zu koppeln – also länger zu arbeiten, wenn die Menschen älter werden –, lehnen 63 Prozent ab. Noch deutlicher ist die Ablehnung bei der geplanten Abschaffung der abschlagsfreien „Rente mit 63": Hier sind 70 Prozent dagegen.
Was das für die Reform bedeutet
Das Stimmungsbild ist damit zweischneidig: Die Menschen sind durchaus bereit, den Kreis der Einzahler zu verbreitern und auf Kapitalmarkt-Elemente zu setzen – aber sie wehren sich gegen längeres Arbeiten und den Wegfall bewährter Frühverrentungsregeln. Genau diese beiden Punkte gehören jedoch zu den Stellschrauben, mit denen sich ein Rentensystem finanziell entlasten lässt. Die Koalition steht damit vor der bekannten Zwickmühle der Rentenpolitik: Was das System stabilisiert, ist oft unpopulär – und was populär ist, kostet Geld. Die deutliche Skepsis in der Umfrage dürfte die anstehende parlamentarische Debatte über das Paket zusätzlich aufladen.



