Die Apotheke als Anlaufstelle für den Arztbesuch: Was zunächst ungewohnt klingt, ist seit dem 1. Juli möglich. Apotheken in Deutschland dürfen nun assistierte Telemedizin anbieten – also ärztliche Beratung aus der Ferne, unterstützt vom Personal vor Ort.
Was das konkret bedeutet
Hinter dem sperrigen Begriff stecken drei mögliche Leistungen. Zum einen können Apotheken eine strukturierte medizinische Ersteinschätzung vornehmen: Anhand eines festen Fragenkatalogs bewertet ein digitales Werkzeug namens SmED, wie dringend akute Beschwerden sind. Zum anderen kann die Apotheke eine Videosprechstunde mit einer Ärztin oder einem Arzt begleiten – etwa, indem das Personal bei der Technik hilft. Und schließlich lassen sich beide Angebote kombinieren. Bei Patienten, die dem System noch nicht bekannt sind, ist die strukturierte Ersteinschätzung vor einer Videosprechstunde verpflichtend.
Die rechtliche Grundlage
Möglich wird das durch das Digital-Gesetz (DigiG), das den rechtlichen Rahmen geschaffen hat; die Details handelten die Beteiligten anschließend aus. Zum Start beteiligen sich nach Angaben des Deutschen Apothekerverbands einige hundert Apotheken. Grundsätzlich steht das Angebot allen Apotheken offen, die sich darauf vorbereitet haben – die Zahl dürfte also wachsen.
Wozu das Ganze
Der Gedanke dahinter: einen niedrigschwelligen Zugang zur ärztlichen Versorgung schaffen, gerade dort, wo Hausarztpraxen überlastet oder weit entfernt sind. Apotheken gibt es fast überall, auch in kleinen Orten; sie sind ohne Termin zugänglich. Profitieren sollen vor allem Menschen, die mit Smartphone und Videotechnik fremdeln oder keinen schnellen Praxistermin bekommen. Zugleich könnte das Angebot überfüllte Notaufnahmen entlasten, wenn kleinere Anliegen früher und an anderer Stelle geklärt werden.
Was noch offen ist
Wie bei jedem neuen Versorgungsangebot bleiben Fragen. Die konkrete Vergütung der Leistungen ist noch nicht in allen Einzelheiten ausbuchstabiert. Auch der Datenschutz muss im oft belebten Apothekenbetrieb gewährleistet sein – eine Videosprechstunde über gesundheitliche Beschwerden verlangt einen geschützten, ungestörten Raum. Und schließlich wird sich zeigen müssen, wie gut das Zusammenspiel von Apotheke und Ärzteschaft in der Praxis funktioniert. Klar ist: Aus der Apotheke, die bislang vor allem Medikamente abgibt, kann so ein zusätzlicher Baustein der wohnortnahen Versorgung werden.



