Auf einem 15 Hektar großen Gelände in Klostermansfeld in Sachsen-Anhalt entsteht ein Kraftwerk der besonderen Art – eines ohne Turbine und Schornstein. Das Unternehmen BW ESS baut dort nach eigenen Angaben einen der größten Batteriespeicher Deutschlands: mit einer Leistung von 1.000 Megawatt, also einem Gigawatt, und einer Speicherkapazität von 5.700 Megawattstunden. In Betrieb gehen soll die Anlage 2028.

Was die Zahlen bedeuten

Leistung und Kapazität beschreiben zwei verschiedene Dinge. Das eine Gigawatt Leistung sagt, wie viel Strom die Anlage in einem Moment aufnehmen oder abgeben kann – eine Größenordnung, die an ein konventionelles Großkraftwerk heranreicht. Die 5,7 Gigawattstunden Kapazität geben an, wie viel Energie insgesamt gespeichert werden kann. Rechnerisch könnte der Speicher damit gut fünf Stunden lang seine volle Leistung liefern, bevor er nachgeladen werden muss.

Wozu Deutschland solche Speicher braucht

Große Batteriespeicher sind ein Schlüsselbaustein der Energiewende. Wind und Sonne liefern Strom nicht dann, wenn er gebraucht wird, sondern wenn es weht und scheint. Speicher gleichen diese Schwankungen aus: Sie nehmen Strom auf, wenn viel davon im Netz ist, und geben ihn ab, wenn die Erzeugung nachlässt. Zusätzlich helfen sie, das Netz stabil zu halten – eine Aufgabe, die früher vor allem konventionelle Kraftwerke übernahmen. Nach Angaben von pv magazine legte das Unternehmen für das Projekt bereits den Grundstein.

Das Geschäftsmodell: Handel mit dem Preisunterschied

Der wirtschaftliche Reiz liegt im Stromhandel. Das Prinzip ist einfach: laden, wenn Strom günstig ist – etwa mittags, wenn viel Solarstrom die Preise drückt – und einspeisen, wenn er teuer ist, meist am Abend bei hoher Nachfrage. Von dieser Spanne zwischen niedrigen und hohen Börsenpreisen lebt das Modell. Je stärker die Preise im Tagesverlauf schwanken, desto lohnender wird der Speicherbetrieb.

Teil eines Booms

Klostermansfeld ist kein Einzelfall. In Deutschland sind zahlreiche Großspeicher in Planung oder im Bau; die Branche erlebt einen regelrechten Boom. Die Technik wird günstiger, der Bedarf steigt mit jedem neuen Wind- und Solarpark, und das Geschäft mit der Netzstabilität und dem Preisausgleich wird attraktiver. Anlagen wie die von BW ESS zeigen, dass Speicher zunehmend als eigenständige Kraftwerke gedacht werden – als flexibles Rückgrat eines Stromsystems, das immer mehr auf Erneuerbare setzt.