Es ist ein leiser Abschied von einem Stück Alltagskultur: Sony beendet die Ära der Spiele-Disc. Ab 2028 sollen neue PlayStation-Spiele nicht mehr auf Datenträger erscheinen, sondern ausschließlich digital. Für das Presswerk im österreichischen Thalgau bedeutet das eine grundlegende Neuausrichtung.

Vom Datenträger zur Optik

Das Werk, in dem Sony DADC über Jahrzehnte optische Discs herstellte, verschwindet nicht – es baut um. Nach Angaben des ORF Salzburg investiert der Konzern rund 30 Millionen Euro in eine neue Sparte: die Fertigung optischer Mikrolinsen. Das sind winzige, präzise geformte Kunststoffbauteile, die Licht bündeln und lenken – gefragt etwa in der Fahrzeugbeleuchtung, in Sensoren und Kameras. Schon im kommenden Jahr, also 2027, will Sony damit in die Serienproduktion gehen. Die rund 300 Beschäftigten sollen erhalten bleiben und für die neue Produktion umgeschult werden; der Konzern betont, die Zahl der Stellen halten zu wollen.

Bemerkenswert ist, dass das Ende der PlayStation-Disc den Standort nicht so hart trifft, wie man meinen könnte: Neue PlayStation-Spiele machen laut ORF zuletzt nur noch etwa zehn Prozent des Produktionsvolumens aus. Der Rest sind andere Datenträger – der Rückgang ist also seit Langem im Gange.

Warum die Disc verschwindet

Der Grund ist ein klarer Trend: Spielerinnen und Spieler entscheiden sich zunehmend für digitale Käufe. Sony begründet den Schritt offiziell damit, dass die Kundschaft „deutlich stärker" zu digitalen Medien greife. Wer heute ein Spiel kauft, lädt es meist direkt aus dem Online-Store herunter; neuere Konsolen werden ohnehin immer häufiger ganz ohne Laufwerk verkauft. Damit schrumpft der Markt für physische Spiele von selbst.

Was Sammler verlieren

Für viele ist das bequem – für manche ein Verlust. Wer Spiele digital kauft, erwirbt streng genommen kein Eigentum, sondern eine Lizenz zur Nutzung. Eine Disc im Regal lässt sich verleihen, verkaufen oder in Jahrzehnten noch einlegen; ein digitaler Titel ist an Konten und Server gebunden und kann theoretisch auch wieder aus dem Angebot verschwinden. Sammlerinnen und Sammler verlieren zudem das Haptische – die Hülle, das Artwork, die limitierte Edition. Auch der Gebrauchtmarkt, über den ältere Spiele günstig weiterwandern, gerät unter Druck.

Ein bekanntes Muster

Der Fall Thalgau steht für einen größeren Wandel. Erst verdrängten Downloads und Streaming die Musik-CD, dann lösten Netflix und Co. die DVD und die Blu-ray ab. Nun folgen die Videospiele demselben Weg. Anders als bei Filmen, wo physische Medien in einer Nische von Liebhabern zuletzt sogar ein kleines Comeback erlebten, macht die Spielebranche keine Anstalten umzukehren – digital ist für die Anbieter schlicht lukrativer. Die Spielhülle im Regal, für viele ein Stück Kindheit, wird so nach und nach zur Rarität.