Die deutsche Automobilindustrie, jahrzehntelang Aushängeschild und Jobmotor der Wirtschaft, steht vor einem tiefgreifenden Umbruch. Fachleute warnen, dass die kommenden Jahre für Hersteller und vor allem für Zulieferer besonders hart werden.

Bis zu 30 Prozent weniger Stellen

Besonders deutlich wird Stefan Reindl, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft im baden-württembergischen Geislingen. Gegenüber der Schwäbischen Zeitung sagte er, vom früheren Höchststand der Beschäftigung werde die Branche mittelfristig wohl bis zu 30 Prozent verlieren.

Dass die Zahl der Arbeitsplätze bereits sinkt, ist keine Prognose mehr, sondern Realität. Nach Erhebungen der Beratungsgesellschaft EY steht der Standort Deutschland zunehmend unter Druck, Beschäftigung und Investitionen geraten ins Rutschen.

Weniger Arbeit pro Auto

Ein Grund liegt in der Technik selbst. Ein Elektroauto besteht aus weniger und einfacheren Teilen als ein Verbrenner und lässt sich mit deutlich weniger Arbeitskräften bauen. Zugleich verschiebt sich die Wertschöpfung: Batteriezellen und Software, die Herzstücke des E-Autos, entstehen oft nicht in Deutschland. Damit droht der Industrie genau das Kerngeschäft wegzubrechen, das sie groß gemacht hat.

Konkurrenz aus China

Hinzu kommt der Druck aus China. Chinesische Hersteller sind bei Batterietechnik, schlanker Produktion und aggressiver Preisgestaltung stark, und sie drängen zunehmend auf den europäischen Markt. Reindl rechnet damit, dass chinesische Marken in Deutschland mittelfristig einen Marktanteil in einer Größenordnung erreichen könnten, wie ihn heute japanische oder koreanische Anbieter haben. Jedes zehnte verkaufte Auto käme dann rechnerisch aus China.

Teurer Standort, träge Strukturen

Als hausgemachte Probleme nennt Reindl hohe Energie-, Lohn- und Lohnnebenkosten, dazu langsame Genehmigungen und viel Bürokratie. Die Branche habe sich zudem zu lange auf ihren Erfolgen ausgeruht und den Umstieg auf Elektromobilität, Software und Batterietechnik unterschätzt.

Kein schnelles Ende der Krise

Die Botschaft der Fachleute ist unbequem: Der Wandel wird die Industrie kleiner machen, und er ist noch längst nicht abgeschlossen. Ob die deutschen Autobauer am Ende gestärkt oder geschwächt aus dem Umbruch hervorgehen, entscheidet sich in den nächsten Jahren, in denen Sparprogramme, Stellenabbau und harte Standortentscheidungen die Branche prägen dürften.