Smartphones und Tablets gehören längst zum Alltag von Kindern. Doch wie stark begrenzen Eltern die Nutzung? Eine neue Umfrage liefert ein überraschendes Bild, und einen bemerkenswerten Widerspruch.

Kaum Regeln zu Hause

Für die Postbank Digitalstudie 2026 wurden im Mai mehr als 3.000 Menschen befragt, darunter 732 mit Kindern im Haushalt. Das Ergebnis: In 65 Prozent der Haushalte gibt es keine zeitliche Begrenzung für die tägliche Handynutzung, und in zwei Dritteln der Familien ist das Smartphone auch vor dem Schlafengehen nicht tabu. Bei sozialen Medien haben sogar 57 Prozent der Familien keine klaren Regeln, wie heise online die Studie zusammenfasst.

Auffällig ist ein Zusammenhang mit dem Alter der Eltern: 61 Prozent der Erziehungsberechtigten ab 40 Jahren kontrollieren die Online-Aktivitäten ihrer Kinder gar nicht oder nur selten.

Früher Start ins digitale Leben

Auch beim ersten eigenen Gerät zeigt die Umfrage klare Muster. 54 Prozent der Kinder bekommen ihr erstes Smartphone im Alter zwischen neun und zwölf Jahren, 20 Prozent sogar spätestens mit acht. Jüngere Eltern greifen dabei früher zum Gerät: Bei den unter 40-Jährigen gibt ein Viertel dem Kind schon vor dem neunten Geburtstag ein Smartphone.

Der große Widerspruch

Am interessantesten ist die Kluft zwischen dem eigenen Verhalten und den politischen Forderungen. Während viele Eltern zu Hause auf Regeln verzichten, wünschen sie sich strengere Vorgaben von außen: 86 Prozent befürworten eine Altersbeschränkung für soziale Medien, 44 Prozent davon erst ab 16 Jahren oder später. Und 82 Prozent unterstützen ein Handyverbot an Schulen.

Offenbar trauen viele Eltern der Politik und den Schulen eher zu, klare Grenzen zu ziehen, als sich selbst. Der Ruf nach Regulierung ist damit auch ein Eingeständnis, dass die Steuerung im eigenen Kinderzimmer schwerfällt.

Was daraus folgt

Die Studie macht deutlich, dass es weniger an der Einsicht fehlt als an der Umsetzung im Alltag. Klare, altersgerechte Absprachen zur Bildschirmzeit, gemeinsam vereinbart und vorgelebt, gelten unter Fachleuten als wirksamer als pauschale Verbote. Ob Altersgrenzen und Handyverbote kommen, entscheidet die Politik. Wie viel Zeit Kinder am Bildschirm verbringen, entscheidet sich aber weiterhin vor allem zu Hause.