Der Blick in den leeren Briefkasten ist kein Versehen des Zustellers, sondern Teil eines Plans. Die Deutsche Post hat ihre Briefzustellung umgestellt, und für viele Haushalte bedeutet das: An manchen Tagen kommt gar keine Post.

Starktage und Schwachtage

Hinter der Umstellung steckt ein sogenanntes A-B-Steuerungssystem. Jede Straße hat nun „Starktage" und „Schwachtage". An den Starktagen werden mehrere Briefe gebündelt zugestellt, an den Schwachtagen bleibt der Kasten oft leer oder es kommt nur wenig, wie der Tagesspiegel erklärt. Montags werden weiterhin alle Briefe ausgeliefert, weil an diesem Tag ohnehin am wenigsten Post anfällt.

Für die Post senkt das Verfahren die Kosten pro Brief spürbar: Statt täglich einzeln fahren die Zusteller nur noch an bestimmten Tagen eine Route ab.

Das neue Postgesetz macht es möglich

Grundlage ist das 2025 reformierte Postgesetz, das die Vorgaben für die Laufzeit von Briefen gelockert hat. Früher mussten 80 Prozent der Briefe schon am nächsten Werktag ankommen und 95 Prozent am übernächsten. Jetzt gilt: 95 Prozent der Sendungen müssen erst am dritten Werktag zugestellt sein, 99 Prozent am vierten.

Die längeren Fristen geben der Post den Spielraum, seltener zuzustellen, ohne gegen die Vorgaben zu verstoßen. Nach eigenen Angaben erreichte das Unternehmen 2024 Zustellquoten von rund 97 Prozent am dritten und 99 Prozent am vierten Werktag, wie das Handelsblatt berichtet.

Was weiterhin täglich kommt

Nicht alles unterliegt dem neuen Rhythmus. Einschreiben, Zeitungen und Pakete werden weiterhin täglich zugestellt. Wer also auf eine zeitkritische Sendung wartet, ist bei diesen Versandarten besser aufgehoben als beim Standardbrief.

Was das für Verbraucher heißt

Für den Alltag bedeutet die Reform vor allem: Geduld. Ein Brief kann jetzt regulär mehrere Tage unterwegs sein. Wer wichtige Post verschickt, etwa Kündigungen oder fristgebundene Unterlagen, sollte die längeren Laufzeiten einplanen und im Zweifel auf Einschreiben oder digitale Wege ausweichen. Der leere Briefkasten am Dienstag ist damit die neue Normalität, kein Grund zur Sorge.