Es ist ein kleines Ziel für einen langen Flug: Chinas Raumsonde Tianwen-2 ist am erdnahen Asteroiden Kamoʻoalewa angekommen, einem nur wenige Dutzend Meter großen Himmelskörper. Dort soll sie eine Aufgabe erfüllen, die bislang nur wenigen Nationen gelungen ist, nämlich Material von einem Asteroiden einzusammeln und zur Erde zu bringen.

Ein langer Weg zu einem kleinen Brocken

Tianwen-2 startete Ende Mai 2025 vom Weltraumbahnhof Xichang. Rund ein Jahr später näherte sich die Sonde dem Asteroiden erfolgreich bis auf etwa 20 Kilometer an, wie Spektrum der Wissenschaft berichtet. Nun soll sie eine kleine Menge Gestein von der Oberfläche gewinnen. Die Rückkehrkapsel mit den Proben wird Ende 2027 auf der Erde erwartet.

Gelingt das, wäre China nach Japan und den USA erst die dritte Nation, die Asteroidenmaterial zur Erde zurückbringt.

Was Kamoʻoalewa so besonders macht

Der Asteroid ist ein sogenannter Quasi-Mond. Er umkreist die Sonne fast im Gleichtakt mit der Erde und wirkt aus unserer Sicht wie ein ferner, treuer Begleiter, ohne aber wie der echte Mond von der Erdanziehung gehalten zu werden. Solche Objekte sind selten und schwer zu erreichen.

Besonders spannend ist eine Vermutung, der die Mission nachgehen soll: Kamoʻoalewa könnte ein Bruchstück des Mondes sein, das bei einem gewaltigen Einschlag vor langer Zeit ins All geschleudert wurde. Darauf deuten frühere Messungen des reflektierten Lichts hin.

Die Antwort steckt im Gestein

Endgültige Klarheit sollen erst Laboranalysen der zurückgebrachten Proben bringen. Vor allem die Isotopenverhältnisse im Material könnten verraten, ob der Brocken tatsächlich vom Mond stammt oder ein gewöhnlicher Asteroid ist.

Für die Wissenschaft ist die Mission in jedem Fall ein Gewinn. Jede Probe von einem kleinen Himmelskörper hilft zu verstehen, aus welchem Material das Sonnensystem gebaut ist, und wie Erde und Mond zu dem wurden, was sie heute sind. Bis die Kapsel Ende 2027 zurückkehrt, bleibt Kamoʻoalewa ein Rätsel, dessen Lösung nun ein Stück näher gerückt ist.