Wer auf Bus und Bahn setzt, könnte es künftig öfter mit dünnen Fahrplänen zu tun bekommen. Der Grund ist nicht fehlendes Geld oder fehlende Fahrzeuge, sondern fehlendes Personal: Der Verkehrsbranche gehen die Fahrerinnen und Fahrer aus.
Eine Ruhestandswelle rollt an
Grundlage der Warnung ist eine Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) am Institut der deutschen Wirtschaft. Danach scheiden bis 2041 mehr als 60.000 Bus- und Bahnfahrer aus dem Arbeitsmarkt aus, wie heise online berichtet. Schon bis 2030 gehen jährlich etwa 6000 Beschäftigte in den Ruhestand.
Das Kernproblem ist die Altersstruktur: 40 Prozent aller Bus- und Straßenbahnfahrer sind mindestens 55 Jahre alt. Die geburtenstarken Jahrgänge stehen vor dem Ruhestand, während zu wenig junge Menschen nachrücken. Der Jahrgang 1964 sei etwa doppelt so groß wie der von 2024, heißt es in der Studie.
Ein Problem für die Verkehrswende
Die Folgen sind bereits spürbar: personalbedingte Ausfälle, Anpassungen im Fahrplan und drohende Angebotskürzungen. Das trifft ausgerechnet ein politisches Ziel ins Mark. Für die Verkehrswende, den Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn, braucht die Branche nicht weniger, sondern mehr Personal. Nach Einschätzung der Fachleute wäre bis 2030 rund ein Fünftel mehr Personal im Fahrdienst nötig, um die Wachstumsziele zu erreichen.
Der Mangel beschränkt sich nicht auf den Nahverkehr. Auch im Güterverkehr klafft eine Lücke: Rund 200.000 Lkw-Fahrer gehen der Studie zufolge in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren in Rente.
Was helfen könnte
Ein einzelnes Gegenmittel gibt es nicht. Die Studie empfiehlt einen Mix: Ältere Beschäftigte sollten länger im Beruf bleiben können, unterstützt durch altersgerechte Arbeitszeiten, gesündere Arbeitsbedingungen und betriebliches Gesundheitsmanagement. Langfristig gilt auch das autonome Fahren als mögliche Entlastung, allerdings nicht rechtzeitig für die kritischen Jahre, die jetzt bevorstehen.
Klar ist: Ohne kräftige Anstrengungen bei Ausbildung und Anwerbung wird der Nahverkehr sein Angebot kaum halten, geschweige denn ausbauen können. Der leere Fahrersitz ist damit ein Risiko nicht nur für Pendler, sondern für die Mobilität von morgen.



