Die Zahlen sind ernüchternd, und sie werden voraussichtlich noch schlechter: Der Wohnungsbau in Deutschland steckt tief in der Krise, und ein Ende ist nicht in Sicht. Die Wohnungswirtschaft spricht inzwischen offen von einem drohenden Kollaps.

Fertigstellungen auf dem tiefsten Stand seit Jahren

2025 wurden in Deutschland nur noch 206.600 Wohnungen fertiggestellt. Das sind 18,0 Prozent oder 45.400 Wohnungen weniger als im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Es ist bereits das zweite Jahr in Folge mit einem kräftigen Minus, nachdem 2024 schon ein Rückgang von 14,4 Prozent verzeichnet worden war. Zum Vergleich: In den Jahren 2021 bis 2023 waren jeweils rund 294.000 Wohnungen entstanden.

Besonders stark brach der Neubau im Osten Deutschlands ein. Während die Zahl neu errichteter Wohnungen im Westen um 16,7 Prozent sank, lag das Minus im Osten mit 34,3 Prozent mehr als doppelt so hoch.

Verband warnt vor dem Kollaps

Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) rechnet für 2026 mit einem weiteren Rückgang auf nur noch etwa 200.000 fertiggestellte Wohnungen. Dem steht ein geschätzter Bedarf von rund 320.000 Wohnungen pro Jahr gegenüber, die Lücke wächst also weiter.

Auch die Investitionen brechen ein: Der GdW erwartet, dass die Ausgaben für den Neubau in diesem Jahr um rund 26 Prozent auf etwa 6 Milliarden Euro fallen. Selbst der sozial orientierte Wohnungsbau gerät unter Druck. Die im Verband organisierten Unternehmen wollen 2026 nur noch rund 16.000 Wohnungen errichten, nach 24.000 im Vorjahr.

GdW-Präsident Axel Gedaschko wird deutlich: „Wenn selbst unsere Unternehmen, die dauerhaft preiswertes Wohnen schaffen und sichern, Neubau massiv zurückfahren müssen, funktioniert das System nicht mehr."

Teure Baukosten, teure Kredite

Die Ursachen liegen vor allem bei den Kosten. Die Baupreise im Wohnungsbau sind seit Ende 2019 um rund 51 Prozent gestiegen, und die Finanzierungskosten haben sich seit 2021 etwa vervierfacht. Viele Projekte rechnen sich unter diesen Bedingungen schlicht nicht mehr, selbst dort, wo Baugenehmigungen längst vorliegen.

Der GdW fordert von der Politik einen entschlossenen Kurswechsel, wie die Wohnungswirtschaft mitteilt: niedrigere Baukosten, schnellere Verfahren und eine verlässliche soziale Förderung. Andernfalls, so die Warnung, drohe die Kluft zwischen Wohnungsbedarf und tatsächlichem Neubau weiter zu wachsen, mit spürbaren Folgen für Mieten und die Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum.