Es ist eine der schwersten Naturkatastrophen der jüngeren deutschen Geschichte, und fünf Jahre danach ist längst nicht alles verheilt, weder die Landschaft noch das Vertrauen. Vor dem Jahrestag der Ahrflut meldet sich die Frau zu Wort, die die Katastrophe damals hautnah erlebte.

Die Nacht vom 14. auf den 15. Juli

In der Nacht zum 15. Juli 2021 verwandelte sich die sonst beschauliche Ahr in einen reißenden Strom. Die Wassermassen rissen Häuser, Brücken und ganze Existenzen mit sich. Im Landkreis Ahrweiler kamen mindestens 135 Menschen ums Leben, bundesweit waren es rund 190 Tote. Tausende verloren ihr Zuhause.

Cornelia Weigand war in jener Nacht Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr und kämpfte verzweifelt darum, Menschen zu warnen und in Sicherheit zu bringen. Heute ist sie Landrätin des Kreises Ahrweiler, und damit an vorderster Stelle verantwortlich für Aufarbeitung und Wiederaufbau.

Der Wunsch nach einem klaren Wort

Zum bevorstehenden fünften Jahrestag rückt Weigand ein Thema in den Mittelpunkt, das viele Betroffene umtreibt: die Verantwortung. Viele hätten sich eine Entschuldigung gewünscht, sagte sie. „Eine Entschuldigung wäre ein wichtiges Signal", so die Landrätin.

Gemeint ist damit vor allem der frühere Landrat Jürgen Pföhler, dem in der Aufarbeitung schwere Versäumnisse im Krisenmanagement der Flutnacht vorgeworfen werden. Ein strafrechtliches Verfahren gegen ihn wurde eingestellt, weil sich ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen seinem Handeln und einzelnen Todesfällen juristisch nicht zweifelsfrei belegen ließ. Im dienstrechtlichen Verfahren verlor er allerdings seine Pensionsansprüche. Ein Wort der Reue aber blieb aus, und genau das schmerzt viele im Tal bis heute.

Wiederaufbau mit langem Atem

Fünf Jahre nach der Katastrophe ist im Ahrtal viel geschehen, und doch bleibt viel zu tun. Zerstörte Brücken, Straßen, Schulen und Bahnstrecken wurden Stück für Stück wieder aufgebaut, oft in der Hoffnung, künftige Hochwasser besser zu überstehen. Vielerorts prägen aber weiterhin Baustellen und Lücken das Bild, und nicht jeder, der weggezogen ist, kehrt zurück.

Der Wiederaufbau ist so zur Daueraufgabe geworden, die das Tal noch Jahre begleiten wird. Neben dem Materiellen geht es dabei auch um die Frage, wie sich eine Region auf ein Klima einstellt, in dem solche Extremwetter wahrscheinlicher werden.

Erinnern und mahnen

Zum Jahrestag werden Gedenkveranstaltungen erwartet, bei denen die Opfer im Mittelpunkt stehen. Für Weigand verbindet sich das Erinnern mit einer klaren Botschaft: Aus der Katastrophe müsse gelernt werden, beim Katastrophenschutz, bei den Warnketten, bei der Vorsorge. Und zur Aufarbeitung gehöre eben auch, Verantwortung nicht nur zuzuweisen, sondern sie anzuerkennen. Ein einzelnes Wort, sagt die Landrätin, könnte dabei mehr bewirken, als man denkt.