Die Deutsche Bahn will ihre Fahrgäste besser über Verspätungen auf dem Laufenden halten und setzt dafür verstärkt auf künstliche Intelligenz. Bahnchefin Evelyn Palla stellte ein Programm vor, das die Prognosen zu Zügen und Anschlüssen verlässlicher machen soll, wie der Münchner Merkur berichtet.
Was die KI leisten soll
Das Ärgernis kennt jeder Bahnreisende: Eine angezeigte Verspätung ändert sich während der Fahrt immer wieder, gerade wenn ein Anschluss auf dem Spiel steht. Genau hier soll die KI ansetzen. Sie wertet laufend Betriebsdaten aus, etwa Zugläufe, Fahrpläne und Störungen im Netz, und gleicht sie mit Mustern aus der Vergangenheit ab, um genauere Vorhersagen zu treffen.
Ziel ist, dass Reisende früher und zuverlässiger erfahren, ob sie ihren Anschluss erreichen und welche Alternative sich lohnt. Die Information wird also besser, nicht der Zugverkehr selbst.
Die ernüchternden Zahlen
Denn das eigentliche Problem bleibt bestehen. Im Fernverkehr waren im Juni 2026 nur rund 52,6 Prozent der Züge pünktlich, wie aus den Angaben der Bahn hervorgeht. Dabei gilt ein Zug bereits als pünktlich, wenn er weniger als sechs Minuten Verspätung hat. In der zweiten Junihälfte drückte zudem eine Hitzewelle die Werte.
Palla selbst hat als Ziel ausgegeben, im Fernverkehr wieder mindestens 60 Prozent Pünktlichkeit zu erreichen; die Vorgabe der Bundesregierung von mindestens 70 Prozent bis Ende 2029 hält sie aufrecht. Bis dahin ist es ein weiter Weg.
Der Sanierungsstau als Kern
Hauptursache der Misere ist der jahrzehntelange Investitionsrückstand im Netz. Der Sanierungsstau im Schienennetz summiert sich nach Branchenangaben auf über 130 Milliarden Euro, wie die Verkehrsrundschau berichtet. Marode Gleise, Signaltechnik aus einer anderen Zeit und zahllose Baustellen sorgen dafür, dass Züge ins Stocken geraten.
Gegen diese strukturellen Probleme hilft keine noch so kluge Prognose. Eine bessere Vorhersage zeigt dem Fahrgast im Zweifel nur schneller an, dass er seinen Anschluss verpasst.
Sinnvoll, aber kein Ersatz
Die Investition in bessere Information ist trotzdem sinnvoll, weil verlässliche Auskünfte den Ärger im Reisealltag mindern. Als Ersatz für den Umbau des Netzes taugt sie nicht. Erst wenn Gleise, Technik und Baustellenplanung modernisiert sind, dürfte die Pünktlichkeit spürbar steigen. Bis dahin bleibt die KI ein hilfreiches Pflaster auf einer tiefen Wunde.



