Wer im Sommer über die Seenlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns blickt, kann mit etwas Glück einen der eindrucksvollsten Greifvögel Deutschlands sehen: den Fischadler. Nirgendwo sonst im Land brüten so viele von ihnen. Bei der jährlichen Beringung der Jungvögel gehen die Forscher in dieser Saison einen Schritt weiter als sonst.
Eine stille Hochburg
Mecklenburg-Vorpommern beherbergt den mit Abstand größten Teil der deutschen Fischadler. Von den bundesweit rund 500 Brutpaaren lebt der Großteil zwischen den Seen und Wäldern des Nordostens, wie der NABU in seinem Porträt der Art beschreibt. Das ist keine Selbstverständlichkeit: Bis in die 1970er-Jahre war der Fischadler in Deutschland fast verschwunden, verdrängt vor allem durch Umweltgifte und Verfolgung. Seither hat sich der Bestand erholt.
Nester auf Strommasten
Auffällig ist, wo die Vögel heute brüten. Ein großer Teil der Horste sitzt nicht mehr auf alten Bäumen, sondern auf Strommasten in der offenen Landschaft. Für die Adler bieten die Masten einen freien Rundblick, doch für die Netzbetreiber sind sie ein Problem: Herabfallende Äste können Kurzschlüsse und Stromausfälle verursachen.
Als Antwort darauf errichten Energieversorger eigens Ausweichmasten, auf denen die Tiere sicher brüten können, ohne das Stromnetz zu stören. So entsteht ein bemerkenswertes Nebeneinander von Technik und Wildtier.
Sender statt nur Ringe
Die eigentliche Neuerung dieser Saison spielt sich beim Beringen ab, wie der Münchner Merkur berichtet. Seit Jahrzehnten versehen Fachleute die Jungvögel mit Metallringen, um sie später wiedererkennen zu können. Neu ist, dass einige Tiere zusätzlich kleine GPS-Sender bekommen.
Diese Sender liefern, was ein Ring allein nie verraten kann: den genauen Weg der Vögel. Forscher können damit nachvollziehen, wohin die Adler ziehen, wo sie rasten und wo sie überwintern. Für den Schutz der Art sind solche Daten wertvoll, weil sie zeigen, an welchen Orten entlang der Route Gefahren lauern.
Ein Zugvogel zwischen zwei Kontinenten
Denn der Fischadler ist ein Weitreisender. Im Spätsommer bricht er auf und zieht bis ins tropische Afrika südlich der Sahara, um dort zu überwintern. Erst im Frühjahr, meist im März oder April, kehrt er in die heimischen Brutgebiete zurück.
Seine Nahrung besteht fast ausschließlich aus Fisch, den er im Sturzflug aus dem Wasser greift. Damit ist der Fischadler auch ein Zeiger für die Gesundheit von Seen und Flüssen: Wo er jagt, muss das Wasser reich an Fischen und intakt sein. Die Sender aus Mecklenburg-Vorpommern helfen nun, das Leben dieses Grenzgängers zwischen den Kontinenten ein Stück besser zu verstehen.



