Eine geplante Verschärfung bei den Krankschreibungen sorgt für heftigen Streit. Die Koalition will erreichen, dass Beschäftigte künftig schon am ersten Tag einer Erkrankung ein ärztliches Attest vorlegen müssen, und dass die telefonische Krankschreibung wegfällt, wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet.
Was sich ändern soll
Bisher ist ein ärztliches Attest in der Regel erst ab dem vierten Krankheitstag nötig. Künftig soll die Bescheinigung schon vom ersten Tag an vorliegen. Zugleich soll die während der Pandemie eingeführte telefonische Krankschreibung abgeschafft werden, die es erlaubt, sich bei leichten Erkrankungen ohne Praxisbesuch krankschreiben zu lassen.
Bundeskanzler Friedrich Merz begründet den Schritt mit den aus seiner Sicht zu hohen Krankenständen, wie ZDFheute berichtet. Ziel sei es, den Betrieben und den Beschäftigten ein Instrument an die Hand zu geben, um die Fehlzeiten zu senken.
„Schnapsidee": deutliche Worte von Lang
Aus der Opposition kommt scharfer Widerspruch. Die Grünen-Politikerin Ricarda Lang bezeichnet den Vorstoß als „Schnapsidee" und warnt davor, ihn zu beschließen, wie das Handelsblatt berichtet. Ihr Argument: Wer schon am ersten Tag zum Arzt müsse, gehe im Zweifel kränker aus dem Haus und stecke andere an; am Ende drohten eher mehr als weniger Fehltage. Lang riet dem Kanzler spöttisch, einmal mit einem Hausarzt zu sprechen.
Auch aus der SPD und von Ärzten kommt Kritik
Der Widerstand reicht bis in die Koalition hinein. Der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) distanzierte sich von den Plänen mit den Worten, er hätte das nicht gemacht. Besonders laut ist die Kritik der Hausärzte: Sie nennen das Vorhaben „absolut katastrophal" und warnen davor, dass die ohnehin überlasteten Praxen zusätzlich verstopft würden.
Aus Sicht vieler Mediziner hat sich die telefonische Krankschreibung bewährt. Sie erspare Patienten mit leichten Infekten den Weg in die Praxis und verhindere so, dass sie im Wartezimmer weitere Menschen anstecken. Dass höhere Krankenstände allein auf die Telefon-Krankschreibung zurückgingen, sei nicht belegt.
Ein Streit mit offenem Ausgang
In der Sache prallen zwei Sichtweisen aufeinander: Die einen sehen im Krankenstand ein wirtschaftliches Problem, das strengere Regeln erfordert. Die anderen halten diese Regeln für kontraproduktiv und fordern, zuerst die Ursachen wie Stress und Personalmangel anzugehen.
Wie der Streit ausgeht, ist offen. Das Vorhaben ist Teil des größeren Reformpakets der Regierung und dürfte im parlamentarischen Verfahren noch für einige Auseinandersetzungen sorgen. Für Millionen Beschäftigte geht es dabei um eine sehr konkrete Frage des Alltags: was gilt, wenn man morgens krank aufwacht.



