Es ist eine Entwicklung, die der Buchbranche Sorgen macht: Immer weniger junge Menschen greifen zum Buch. Der Kreis der Käuferinnen und Käufer schrumpft, und besonders deutlich fällt der Rückgang in den jüngeren Altersgruppen aus, wie der Tagesspiegel unter Berufung auf Branchendaten berichtet.
Der Markt verliert vor allem die Jungen
Für den Gesamtmarkt gibt es seit einiger Zeit ein leichtes Minus, das sich zuletzt eher verstärkt hat. Auffällig ist aber vor allem, dass der Rückgang bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen stärker ausfällt als im Durchschnitt. Wo früher das Lesen selbstverständlich zum Aufwachsen gehörte, konkurriert das Buch heute mit vielen anderen Beschäftigungen, um eine Aufmerksamkeit, die knapper geworden ist.
Fachleute aus der Branche warnen, dass dahinter auch eine sinkende Lesekompetenz stecken könnte, mit Folgen weit über den Buchhandel hinaus. Denn wer wenig liest, tut sich oft schwerer damit, längere Texte zu erfassen und komplizierte Zusammenhänge zu durchdringen.
Die Konkurrenz heißt Smartphone
Der Hauptgrund ist schnell benannt: Smartphone und soziale Medien. Kurze Videos, endlose Feeds und Streaming liefern ständig neue Reize und sind immer griffbereit. Gegen diesen Sog kommt das ruhige, langsame Lesen eines Buches schwer an.
Studien zeigen zudem, dass ein erheblicher Teil junger Menschen die eigene Handynutzung selbst als problematisch erlebt. Die Folgen reichen von Konzentrationsschwierigkeiten bis zu einem Gefühl, ständig etwas zu verpassen. In einer solchen Umgebung wird das Buch, das Geduld und Versenkung verlangt, für viele zur Ausnahme.
BookTok: das Lesen wandelt sich
Doch das Bild ist nicht nur düster. Ausgerechnet auf der Plattform TikTok hat sich unter dem Schlagwort BookTok eine lebendige Lesekultur entwickelt. Junge Menschen empfehlen sich dort gegenseitig Bücher, teilen ihre Begeisterung und machen einzelne Titel über Nacht zu Bestsellern.
Bestimmte Genres, etwa Romane für junge Erwachsene und die Mischung aus Liebesgeschichte und Fantasy, profitieren davon spürbar. Das zeigt: Das Interesse am Lesen ist nicht einfach verschwunden. Es hat sich verlagert, hin zu neuen Wegen der Entdeckung und zu intensiven Fangemeinden rund um einzelne Bücher.
Kein Grund für Kulturpessimismus
Die Wahrheit liegt damit in der Mitte. Der Buchmarkt verliert insgesamt, und gerade die klassische, breite Leselust bei Jugendlichen bröckelt. Zugleich finden andere über soziale Medien ganz neu zum Buch.
Für Verlage, Buchhandlungen und Schulen liegt darin eine Aufgabe: die neue Begeisterung aufzugreifen und zugleich jene zu erreichen, die zwischen Bildschirm und Buchseite noch keine Verbindung gefunden haben. Denn Lesen bleibt eine Kulturtechnik, die sich nicht so leicht ersetzen lässt, egal, auf welchem Weg man zum nächsten Buch kommt.



