Wenn im Frühsommer das Klappern von den Dächern norddeutscher Dörfer schallt, ist das für viele Menschen das vertrauteste Zeichen einer intakten Kulturlandschaft. Im Juni 2026 fällt die Zwischenbilanz der Storchenfreunde erfreulich aus: Das Brutjahr verläuft für die Weißstörche in Schleswig-Holstein bislang gut. Das berichten die Storchenschützer im Naturschutzbund (NABU), die das Geschehen auf den Horsten landesweit dokumentieren (Zeit Online / dpa).

Ein starkes Vorjahr als Maßstab

Getragen wird die Storchenarbeit im Norden von der ehrenamtlichen NABU-AG Storchenschutz, die seit 1972 besteht. Ihre Gebietsbetreuerinnen und -betreuer kontrollieren die Nester, reinigen Horste und beringen den Nachwuchs.

Maßstab für die laufende Saison ist das gute Vorjahr: 2025 zählte die AG Storchenschutz landesweit 583 Horstpaare. Von ihnen zogen 451 Paare insgesamt 951 Jungstörche groß – nahezu eine Verdopplung gegenüber der Lage vor zehn Jahren. Damit hat sich die Population, die bis 2005 auf rund 170 Paare zusammengebrochen war, deutlich erholt.

Warum es so gut läuft

Für den positiven Trend machen die Fachleute zwei Faktoren verantwortlich. Zum einen hat sich das Zugverhalten vieler Störche verändert: Statt bis nach Afrika zu ziehen, überwintern immer mehr Tiere in Spanien und Südfrankreich. Sie kehren dadurch früher zurück – und je früher ein Storch am Horst ist, desto besser stehen die Chancen auf eine erfolgreiche Brut. Zum anderen zahlt sich die jahrzehntelange ehrenamtliche Arbeit im Storchenschutz aus.

Entscheidend für den Bruterfolg ist jedoch das Wetter während der Aufzucht im Mai und Juni. Anhaltende Kälte und Dauerregen können für die Küken tödlich enden; auch das Gegenteil ist gefährlich, denn bei langer Trockenheit wird die Nahrung knapp. Störche sind dabei Nahrungsopportunisten und fressen, was die Landschaft gerade hergibt – Frösche, Mäuse, Insekten und Regenwürmer.

Vorsicht trotz guter Zwischenbilanz

Die Storchenschützer mahnen jedoch zur Zurückhaltung. Selbst in guten Jahren reicht die Zahl der flüggen Jungvögel mancherorts kaum aus, um den Bestand langfristig zu sichern – nötig sind im Schnitt rund zwei flügge Junge je Paar. Damit der gute Start ins Brutjahr 2026 auch ein gutes Ende findet, braucht es vor allem stabiles Wetter – und feuchte Wiesen, kleine Teiche und Lebensräume, in denen die Störche genug Beute finden.