Die Burgerkette Hans im Glück, bekannt für ihr Birkenwald-Interieur und Burger mit Märchennamen, hat turbulente Jahre hinter sich. Nach einem Shitstorm um einen Miteigentümer und einer Welle von Franchise-Insolvenzen zeigt sich die Münchner Kette im Sommer 2026 wieder auf Wachstumskurs. Das berichtet das Handelsblatt.
Der Shitstorm: das „Potsdam-Treffen“
Ausgangspunkt der Krise war ein Geheimtreffen Rechtsextremer in Potsdam im November 2023, bei dem über „Remigration“ diskutiert wurde. Auf der Einladungsliste stand der Name von Hans-Christian Limmer, einem Gesellschafter von Hans im Glück. Das Unternehmen betonte, Limmer sei nicht anwesend gewesen, distanzierte sich aber deutlich und nahm sein Angebot an, seine Gesellschafterstellung aufzugeben (t-online). Sein Anteil von rund 27 Prozent ging an einen Mitgesellschafter.
Doch der digitale Schaden war angerichtet: Google sperrte alle Filialen bis Juli 2025 für neue Bewertungen, das negative Rating fror gewissermaßen ein. „Das Einfrieren des negativen Google-Ratings hat uns digitale Sichtbarkeit und richtig Umsatz gekostet“, wird Geschäftsführer Johannes Bühler zitiert.
Franchise-Pleiten und Vorwürfe
2025 gingen mehrere Franchisenehmer in die Insolvenz; betroffen waren Standorte in verschiedenen Städten (Franchising-Network). Die Partner machten zum Teil die Zentrale verantwortlich: Die Franchise-Gebühren und Mieten seien zu hoch, die erwarteten Umsätze blieben aus. Bühler räumte ein: „Wir hatten ein wirtschaftlich gesehen sehr schwieriges Jahr 2024.“ Er verwies zugleich darauf, dass die Zentrale zahlreichen Partnern mit Maßnahmen wie Darlehensmoratorien geholfen habe. Die Branche insgesamt litt: Die Zahl der Gastronomie-Insolvenzen stieg 2024 deutlich an.
Die Aufholjagd
Statt Standorte aufzugeben, übernahm die Zentrale rund 20 strauchelnde Franchisebetriebe und führte sie nach eigenen Angaben wieder in die Gewinnzone. Die Zahlen für 2025: 185 Millionen Euro Umsatz, ein Plus von zwei Prozent, bei rund 3.800 Beschäftigten. Im Juni 2026 erreichte die Kette den Meilenstein von 100 Filialen. Auffällig ist der gestiegene Durchschnittsbon – von 14,90 Euro (2019) auf 22 Euro (2025) (Handelsblatt).
Was jetzt anders läuft
Zum Wachstumstreiber wurde das Liefergeschäft, das um 30 Prozent zulegte; sein Umsatzanteil soll von rund 15 auf 30 Prozent steigen. Zudem setzt das Unternehmen auf neue Standorttypen: An Autobahnen und Raststätten soll expandiert werden – die erste solche Filiale eröffnete im April 2026 an einer Schweizer Raststätte, weitere sind geplant.
Geführt wird Hans im Glück weiterhin von Johannes Bühler, der seit 2014 an der Spitze steht, gemeinsam mit einem Co-Geschäftsführer. Bühler gibt sich optimistisch: „In 2026 haben wir Gästewachstum in allen Ländern und einen zweistelligen Umsatzanstieg auf bestehender Fläche.“ Die Geschichte der Kette zeigt damit exemplarisch, wie schnell ein Reputationsschaden im Netz auf die Bilanz durchschlägt – und wie mühsam der Weg zurück ist.



