Ein Einschlag aus dem All zählt zu den wenigen Naturkatastrophen, die theoretisch eine ganze Zivilisation auslöschen könnten – und zugleich zu den wenigen, die sich vielleicht verhindern lassen. Genau daran arbeitet die Wissenschaft. Der Asteroid Day am 30. Juni rückt diese Forschung ins Bewusstsein.

Der erste Beweis: DART

Den entscheidenden Durchbruch lieferte die NASA im Jahr 2022. Am 26. September raste die Sonde DART gezielt in den kleinen Asteroidenmond Dimorphos, der den größeren Asteroiden Didymos umkreist. Das Ergebnis übertraf die Erwartungen: Die Umlaufzeit von Dimorphos verkürzte sich um gut eine halbe Stunde. Damit war erstmals bewiesen, dass die Menschheit die Bahn eines Himmelskörpers gezielt verändern kann.

Das Prinzip nennt sich kinetischer Impaktor: Eine Sonde rammt den Asteroiden und überträgt durch die Wucht des Aufpralls Bewegungsenergie. Die dabei herausgeschleuderten Trümmer wirken wie ein zusätzlicher Schub – sie verstärkten die Ablenkung sogar über den reinen Einschlag hinaus.

Die Nachuntersuchung: Hera

Was DART hinterlassen hat, untersucht nun Europa. Die ESA-Sonde Hera ist unterwegs zum Didymos-System, wo sie Ende 2026 ankommen soll. Hera vermisst den Einschlagskrater, bestimmt die Masse von Dimorphos und klärt damit, wie effizient die Energie übertragen wurde. Begleitet wird sie von zwei kleinen Satelliten, die unter anderem das Innere des Asteroiden mit Radar erkunden sollen. Erst dieses Wissen macht aus dem einmaligen DART-Erfolg eine verlässliche, wiederholbare Technik.

Erkennen, bevor es zu spät ist

Abwehr nützt nur, wenn man die Gefahr rechtzeitig sieht. Deshalb investiert die Raumfahrt massiv in die Himmelsüberwachung. Neue Großteleskope und geplante Weltraum-Observatorien sollen die Zahl der bekannten erdnahen Objekte deutlich erhöhen und insbesondere die gefährlich großen Brocken ab etwa 140 Metern Durchmesser möglichst vollständig katalogisieren. Schätzungen zufolge ist ein erheblicher Teil dieser Objekte noch gar nicht entdeckt.

Mehr als ein Werkzeug

Neben dem kinetischen Impaktor erforschen Wissenschaftler weitere Methoden für unterschiedliche Szenarien – etwa den „Gravitationstraktor", bei dem eine Sonde einen Asteroiden über ihre eigene Schwerkraft langsam ablenkt, oder das gezielte Verdampfen von Oberflächenmaterial. Jede Technik hat ihren Einsatzbereich; je mehr Vorwarnzeit bleibt, desto sanftere Methoden genügen.

Eine beruhigende Bilanz – mit Vorbehalt

Die gute Nachricht zum Asteroid Day, der an den Tunguska-Einschlag von 1908 erinnert: Aktuell ist kein großer Asteroid bekannt, der in den nächsten 100 Jahren mit nennenswerter Wahrscheinlichkeit die Erde trifft. Die eigentliche Lehre der vergangenen Jahre lautet jedoch: Wir sind dem Risiko nicht mehr hilflos ausgeliefert. Erkennen, vermessen, ablenken – die Bausteine einer planetaren Verteidigung existieren bereits.