Kontinente sind für uns selbstverständlich – feste, alte Landmassen, auf denen das Leben gedeiht. Doch in der Frühzeit der Erde gab es sie lange nicht. Eine neue Studie liefert eine überraschende Erklärung dafür: kosmisches Dauerfeuer.
Eine Erde unter Beschuss
In ihren ersten Hundertmillionen Jahren – einer Epoche, die Fachleute Hadaikum nennen – wurde die Erde unablässig von Asteroiden getroffen. Ein Forschungsteam um Tim Johnson von der australischen Curtin University hat nun untersucht, was dieser Dauerbeschuss mit dem Planeten machte. Ihr Ergebnis erschien im Fachjournal Science.
Die Hitze blieb
Bisher galten die Einschläge oft als oberflächliche Narben. Die neue Arbeit zeichnet ein anderes Bild: Jeder große Treffer brachte enorme Energie mit, die tief in Kruste und Erdmantel gelangte. Diese Wärme war den Berechnungen zufolge so gewaltig, dass die Erdkruste schwach und teils flüssig blieb. Genau das aber verhindert die Bildung von Kontinenten: Damit feste Landmassen entstehen, muss die Kruste abkühlen, sich verdicken und stabilisieren. Unter dem ständigen Bombardement gelang das nicht – statt zur Ruhe zu kommen, schmolz und brodelte der Untergrund immer wieder neu.
Der Wendepunkt vor 3,9 Milliarden Jahren
Dann ließ der Hagel aus dem All nach. Vor etwa 3,9 Milliarden Jahren sank die Einschlagrate deutlich – und ziemlich genau ab diesem Zeitpunkt finden Geologen die ältesten erhaltenen Gesteine und erste Spuren stabiler kontinentaler Kruste. Dieser zeitliche Gleichlauf ist der Kern der Argumentation: Solange die Erde beschossen wurde, blieb sie zu heiß für dauerhafte Kontinente; erst die Ruhe danach ließ sie entstehen.
Wie man das herausfindet
Direkt beobachten lässt sich die Frühzeit der Erde nicht – die meisten Gesteine von damals sind längst zerstört oder umgeschmolzen. Die Forscher stützten sich deshalb auf winzige, extrem widerstandsfähige Kristalle namens Zirkone. Sie überdauern Milliarden Jahre und speichern Hinweise auf die Temperaturen, unter denen sie entstanden. Zusammen mit geophysikalischen Modellen ergibt sich daraus ein neues Bild der jungen Erde – und eine elegante Antwort auf die alte Frage, warum unser Planet seine festen Kontinente erst mit Verspätung bekam.



