Es war eines der Reizthemen der vergangenen Jahre, nun ist es neu geregelt: Der Bundestag hat am Freitag ein neues Heizungsgesetz beschlossen und damit das Gebäudeenergiegesetz (GEG) der früheren Ampel-Regierung abgelöst, wie die WirtschaftsWoche berichtet. Für die Reform stimmten 322 Abgeordnete, dagegen 272.
Was am alten Gesetz so umstritten war
Das GEG der Ampel schrieb vor, dass neue Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. In der Praxis lief das oft auf die Wärmepumpe hinaus. Viele Hausbesitzer fürchteten Zwang und hohe Kosten, das Gesetz wurde zum Sinnbild für überfordernde Klimapolitik. Genau diese Pflicht kippt die neue Koalition aus Union und SPD nun.
Der neue Kurs: Technologieoffenheit
Kern der Reform ist die sogenannte Technologieoffenheit. Statt einen bestimmten Heizungstyp vorzuschreiben, sollen die Menschen selbst wählen können, ob Wärmepumpe, Hybridanlage, Biomasse oder eben doch Gas oder Öl. Gas- und Ölheizungen dürfen also weiterhin eingebaut und betrieben werden. Der Abschied von den fossilen Brennstoffen wird damit nicht abgesagt, aber gestreckt und anders organisiert.
Die „Bio-Treppe"
Damit der Klimaschutz nicht ganz auf der Strecke bleibt, kommt eine gestaffelte Vorgabe, im politischen Berlin „Bio-Treppe" genannt. Wer ab 2029 eine neue Gas- oder Ölheizung einbaut, muss dem Brennstoff schrittweise klimafreundliche Anteile beimischen, etwa Biomethan oder Bioöl. Der geforderte Anteil steigt zunächst von zehn Prozent an und soll bis 2040 auf 60 Prozent klettern. Spätestens 2045 müssen alle Heizungen komplett klimaneutral laufen.
Kritiker halten das für problematisch: Klimafreundliche Gase und Öle sind bislang knapp und teuer. Ob genug davon zu bezahlbaren Preisen verfügbar sein wird, ist offen, und damit auch, wie teuer das Heizen mit einer neuen fossilen Anlage auf Dauer wird.
Wer dafür und wer dagegen war
Getragen wurde das Gesetz von der Koalition aus Union und SPD. Dagegen stimmten AfD, Grüne und Linke, wenn auch aus gegensätzlichen Gründen: Den einen geht die Abkehr vom fossilen Heizen nicht weit genug, den anderen ist selbst die abgeschwächte Klimavorgabe noch zu viel.
Was das für Eigentümer bedeutet
Für Hausbesitzer bringt die Reform vor allem eines: mehr Wahlfreiheit und weniger unmittelbaren Druck. Wer jetzt eine Heizung tauschen muss, kann sich freier entscheiden. Doch die Rechnung ist damit nicht vom Tisch. Über steigende CO2-Preise und die Bio-Beimischung wird fossiles Heizen in den kommenden Jahren voraussichtlich teurer. Eine sorgfältige Beratung, welche Lösung sich langfristig rechnet, bleibt deshalb wichtig, unabhängig davon, ob der Staat sie vorschreibt oder nicht.



