Es ist ein Sieg für alle, die ihre Geräte selbst reparieren wollen: Der weltgrößte Landmaschinenhersteller John Deere muss künftig auch unabhängigen Werkstätten und Landwirten dieselben Reparaturmöglichkeiten einräumen wie seinen eigenen Vertragshändlern, wie heise online berichtet.

Das Problem: Reparatur nur beim Vertragshändler

Moderne Traktoren sind rollende Computer. Wer sie reparieren will, braucht nicht nur Werkzeug, sondern auch Zugang zur Software, um Fehler auszulesen, Bauteile neu einzurichten oder eine Maschine aus dem Notlaufmodus zu holen. Genau diese Software hatte John Deere bislang weitgehend seinen autorisierten Händlern vorbehalten. Für Landwirte bedeutete das: lange Wege, Wartezeiten mitten in der Ernte und höhere Kosten, selbst bei einfachen Defekten.

Was John Deere jetzt zusagen muss

Künftig sollen Landwirte und freie Reparaturbetriebe die gleichen Ressourcen erhalten wie die Vertragswerkstätten. Dazu gehören Software-Reparaturwerkzeuge, das Auslesen, Löschen und Zurücksetzen elektronischer Fehlercodes, das Neuprogrammieren elektronischer Komponenten sowie das Zurückholen einer Maschine aus dem Notlaufmodus. Die Zusage gilt für die nächsten zehn Jahre.

Kein freiwilliges Geschenk

Freiwillig kommt dieser Schritt nicht. Er ist das Ergebnis einer gerichtlich bestätigten Einigung zwischen John Deere und der US-Handelsbehörde FTC, die dem Konzern Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht vorgeworfen hatte. Der Streit um das „Recht auf Reparatur" schwelt seit Jahren: Landwirte und Verbraucherschützer sehen in den Softwaresperren ein künstliches Monopol, das Konkurrenz ausschaltet und die Preise treibt.

Wo die Grenzen liegen

Ein Wermutstropfen bleibt. Laut heise umfasst die Einigung nicht die Herausgabe jener Informationen, mit denen Dritte eigene Diagnosewerkzeuge entwickeln könnten, wie es in anderen Branchen üblich ist. Der Zugang bleibt also an die Werkzeuge des Herstellers gebunden.

Ein Signal über die Landwirtschaft hinaus

Der Fall John Deere ist zu einem Symbol der „Right to Repair"-Bewegung geworden, die für ein allgemeines Recht auf Reparatur streitet, vom Traktor bis zum Smartphone. Die Einigung zeigt, dass sich hartnäckiger Widerstand gegen Reparatursperren auszahlen kann. Ob ein zeitlich befristetes Zugeständnis eines Konzerns reicht oder ob es dauerhafte gesetzliche Regeln braucht, bleibt die größere Frage im Hintergrund.