Was DHL plant
Die Sparte DHL Global Forwarding France hat eine Partnerschaft mit dem französischen Reederei-Start-up Vela geschlossen, um Fracht künftig per Segelschiff über den Atlantik zu bringen. Vela baut dafür einen 67 Meter langen Frachttrimaran – ein Schiff mit drei Rümpfen, das nahezu vollständig vom Wind angetrieben wird. Pro Überfahrt soll der Segler bis zu 600 Europaletten aufnehmen.
Geplant ist eine Linie zwischen Caen-Ouistreham in der Normandie und New Haven im US-Bundesstaat Connecticut. Der Service soll Anfang 2027 starten. DHL erhält festen Laderaum auf den Schiffen und steuert Vor- und Nachlauf, Zoll und Lager bei. Anvisiert wird hochwertige Teilladungsfracht: Pharmazeutika, Kosmetik, Luxusgüter, Mode sowie Wein und Spirituosen. Perspektivisch will Vela fünf Schiffe einsetzen und bis zu eine Abfahrt pro Woche anbieten.
Wie windgetriebene Frachtschiffe funktionieren
Vela setzt auf Segelkraft. Der Trimaran trägt zwei Masten und Segel, die rund 61 Meter über die Wasserlinie ragen – eine Bauweise, die eher an Hochsee-Rennyachten erinnert als an klassische Frachter. Mitgründer ist der Profisegler François Gabart, der die Vendée Globe gewonnen und die Welt im Rekordtempo solo umsegelt hat. Die drei schlanken Rümpfe verringern den Wasserwiderstand, sodass das Schiff im Schnitt rund 14 Knoten (etwa 26 km/h) erreichen soll. Strom für Bordtechnik und Kühlräume liefern Solarpaneele und zwei Hydrogeneratoren; ein Motor dient nur zum Manövrieren im Hafen.
Vela steht damit für die radikalste Variante eines breiteren Trends. Andere Reedereien rüsten konventionelle Schiffe mit Flettner-Rotoren (rotierenden Zylindern, die den Magnus-Effekt nutzen), starren Flügelsegeln oder Zugdrachen nach. Solche Wind-Assist-Systeme ersetzen den Antrieb nicht, sparen aber Treibstoff. Vela dagegen verzichtet weitgehend auf fossilen Hauptantrieb.
Wie viel CO2 sich einsparen lässt
Eine Ökobilanz, die Vela gemeinsam mit einer Klimaberatung erstellt hat, beziffert die Einsparung der Nordatlantik-Überquerung auf bis zu 96 Prozent gegenüber einem konventionellen Containerschiff und sogar bis zu 99 Prozent gegenüber Luftfracht. Da nahezu der gesamte Antrieb aus Wind stammt, fallen während der Fahrt kaum direkte Emissionen an. Es handelt sich dabei um Herstellerangaben.
Der Kontext
Die Schifffahrt verursacht knapp drei Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen. Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) hat ihre Klimaziele 2023 verschärft und strebt netto null Emissionen bis etwa 2050 an, mit Zwischenzielen für 2030 und 2040. Windunterstützung gilt als eine von mehreren Stellschrauben neben alternativen Kraftstoffen wie grünem Methanol oder Ammoniak.
Die Grenzen
So aufsehenerregend das Projekt ist – ein Ersatz für die globale Containerschifffahrt ist es nicht. Ein einzelnes Großcontainerschiff transportiert mehr als 20.000 Standardcontainer; Velas Kapazität ist dagegen eine Nische. Die Überfahrt dauert mit rund 15 Tagen länger als bei konventionellen Frachtern, und der Windantrieb macht Fahrpläne wetterabhängiger. Segelfracht eignet sich daher vor allem für margenstarke, weniger zeitkritische Güter – nicht für Massenware.
Einordnung
Für DHL ist die Kooperation vor allem ein Signal und ein Praxistest: ein klimafreundliches Premium-Angebot für Kunden, die einen sauberen Lieferweg verlangen und bereit sind, dafür mehr Zeit oder Geld einzuplanen. Ob windgetriebene Fracht über die Nische hinauswächst, hängt davon ab, ob sich Schiffe wie der Vela-Trimaran im Linienbetrieb wirtschaftlich bewähren. Als Baustein auf dem Weg zu einer saubereren Schifffahrt ist der Schritt jedoch konkret – und zeigt, dass uralte Windkraft auch im Hochseetransport ein Comeback erleben kann.



