Die Nachricht

Im Nationalpark Harz gibt es tierischen Nachwuchs: Drei Luchsjunge sind im Zusammenhang mit dem dortigen Luchsprojekt Harz zur Welt gekommen. Schauplatz ist das bekannte Luchs-Schaugehege an der Rabenklippe bei Bad Harzburg, in dem die scheuen Pinselohren für Besucherinnen und Besucher zu sehen sind. Mit dem Nachwuchs wollen die Verantwortlichen das Wiederansiedlungsprojekt weiter voranbringen. Junge Tiere, die unter geeigneten Bedingungen aufwachsen, kommen grundsätzlich für eine spätere Auswilderung in Betracht – so wird aus drei kleinen Katzen ein Baustein für den langfristigen Schutz der Art.

Der Hintergrund

Der Eurasische Luchs galt in Deutschland lange als ausgerottet: Anfang des 20. Jahrhunderts war die größte heimische Katze hierzulande verschwunden, gejagt und verdrängt vom Menschen. Der Harz wurde zum Ausgangspunkt der Rückkehr. Das Luchsprojekt Harz startete im Jahr 2000 als erster gezielter Wiederansiedlungsversuch in Deutschland. Zwischen 2000 und 2006 wurden insgesamt 24 Luchse in die Freiheit entlassen; die Tiere stammten aus europäischen Wildgehegen und wurden vor der Freilassung an die Wildnis gewöhnt. Bereits im Sommer 2002 wurden die ersten wildgeborenen Jungtiere nachgewiesen. Heute lebt im Harz wieder eine eigenständige, sich fortpflanzende Population.

Warum das wichtig ist

Die Rückkehr des Luchses ist mehr als eine schöne Tiergeschichte. Als großer Beutegreifer nimmt er eine Schlüsselrolle im Ökosystem ein: Er reguliert Bestände von Rehen und anderem Schalenwild und beeinflusst so indirekt die Verjüngung der Wälder. Wo ein Spitzenprädator zurückkehrt, gewinnt ein Lebensraum an Vollständigkeit. Für den Artenschutz ist der Harz ein Modellfall, der zeigt, dass eine einst verlorene Art bei konsequentem Schutz wieder heimisch werden kann.

Wie es den Luchsen in Deutschland geht

Der Harz beherbergt bis heute einen großen Teil des deutschen Luchsbestands. Doch die Lage bleibt fragil. Zu den größten Gefahren zählen laut BUND der Straßenverkehr und illegale Abschüsse. Hinzu kommt die geringe genetische Vielfalt: Weil die deutschen Vorkommen – etwa im Harz und im Bayerischen Wald – durch Siedlungen und Verkehrswege voneinander getrennt sind, droht auf Dauer Inzucht. Naturschutzverbände setzen deshalb auf neue Bestandsstützungen, um die isolierten Populationen miteinander zu verbinden.

Einordnung

Die drei Luchsjungen aus dem Harz sind ein kleines, aber sichtbares Signal: 25 Jahre nach dem ersten Auswilderungsversuch trägt die Geduld der Naturschützer Früchte. Damit aus einzelnen Erfolgen eine dauerhaft gesicherte Zukunft wird, braucht es jedoch mehr als Nachwuchs – nämlich sichere Wanderkorridore, konsequenten Schutz vor illegaler Jagd und die Vernetzung der Populationen über Regionsgrenzen hinweg.