Der Bayer-Konzern ordnet einen seiner größten Problemfälle neu: Das US-Geschäft mit dem Unkrautvernichter Glyphosat wandert in eine eigenständige Tochtergesellschaft.
Eine neue Gesellschaft namens Ruveon
Bayer bündelt sein amerikanisches Glyphosat-Geschäft künftig in der Einheit Ruveon, einer hundertprozentigen Tochter mit Sitz in den USA. Die Gesellschaft übernimmt das komplette Geschäft rund um das Mittel – von Produktion und Logistik bis zur Preisgestaltung. Bayer begründet den Schritt mit einer besseren Ausrichtung auf den US-Markt. Tatsächlich geht es vor allem um Risiko: Durch die Ausgliederung will der Konzern den Rest des Unternehmens von den Haftungsgefahren abschirmen, die aus der amerikanischen Klagewelle stammen.
Die Wurzel des Problems: Monsanto
Die juristischen Lasten sind eine direkte Folge der Übernahme des US-Saatgut- und Chemiekonzerns Monsanto im Jahr 2018. Seither sieht sich Bayer mit einer Flut von Klagen konfrontiert, in denen Kläger behaupten, das glyphosathaltige Mittel Roundup habe bei ihnen Krebs ausgelöst. Der Konzern hat nach eigenen Angaben bereits rund zehn Milliarden Dollar für Vergleiche gezahlt und für die noch offenen Verfahren Milliardenrückstellungen gebildet. Ein weiterer Großvergleich mit einem Volumen von bis zu 7,25 Milliarden Dollar wurde vorläufig gerichtlich gebilligt.
Rückenwind vom Obersten Gericht
Die Neuordnung fällt in eine Phase, in der sich für Bayer juristisch etwas dreht. Ende Juni entschied der Oberste Gerichtshof der USA in einem Grundsatzfall zugunsten des Konzerns: Kläger könnten Bayer nicht allein deshalb verklagen, weil auf der Verpackung eine Krebswarnung fehle – maßgeblich sei die bundesweit einheitliche Zulassung des Mittels. Das Urteil könnte vielen anhängigen Verfahren den Boden entziehen und stärkt Bayers Verhandlungsposition.
Ein Geschäft unter Druck
Glyphosat ist für Bayer längst ein zwiespältiges Geschäft. Der Patentschutz ist abgelaufen, billige Konkurrenz vor allem aus China drückt auf die Preise, und die weltweiten Umsätze sind rückläufig. Zugleich bleibt das Mittel eines der meistverkauften Herbizide der Welt und für viele Landwirte schwer zu ersetzen. Mit der Auslagerung in Ruveon versucht Bayer, dieses Geschäft handhabbar zu machen – und den übrigen Konzern, von der Pharmasparte bis zum Saatgutgeschäft, aus der Schusslinie der Klagen zu nehmen. Ob die Strategie aufgeht, wird sich daran zeigen, wie die verbleibenden Verfahren in den USA ausgehen.



