Die Sommerhitze setzt nicht nur Menschen zu, sondern auch dem Nachwuchs vieler Vögel. In heißen Wochen häufen sich die Meldungen über Jungvögel, die zu früh aus ihren Nestern fliehen.

Warum die Küken springen

Besonders betroffen sind Arten, die an und in Gebäuden brüten. Nester in Dachnischen, unter Dachtraufen oder in Nistkästen heizen sich in praller Sonne stark auf. Wird es dort zu heiß, verlassen die Jungtiere ihren Brutplatz früher als vorgesehen, um der Überhitzung zu entgehen. „Nester auf und in Gebäuden oder an exponierten Stellen können sich stark aufheizen", erklärt Martin Rümmler vom Naturschutzbund NABU. Betroffen sind vor allem Mauersegler sowie Mehl- und Rauchschwalben – Vögel, die eigentlich erst flugfähig das Nest verlassen sollten.

Die Auffangstationen sind überfüllt

Die Folge ist eine Welle von Fundtieren. Wildvogel-Pflegestationen melden, dass sie an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen: zu viele Jungvögel, zu wenige Plätze, oft auch zu wenig Fachpersonal für einzelne Arten. Jede kräftige Hitzewelle verschärft die Lage – und mit dem Klimawandel treten solche Wetterlagen häufiger und intensiver auf.

Was Finder tun sollten – und was nicht

So verständlich der Impuls ist, einem hilflos wirkenden Küken sofort zu helfen: Oft schadet gut gemeinter Aktionismus mehr, als er nützt. Ein junger Vogel auf dem Boden ist meist nicht verlassen – die Eltern füttern ihn in der Regel weiter. Mitnehmen sollte man ihn nur, wenn er sichtbar verletzt ist oder teilnahmslos wirkt.

Wichtig ist vor allem, was man unterlässt: Auf keinen Fall darf man einem Vogel Wasser direkt in den Schnabel träufeln – es kann in die Atemwege gelangen und tödlich enden. Auch Brot oder Speisereste sind keine geeignete Nahrung. Wer unsicher ist, sollte zuerst eine Auffangstation oder den Naturschutzbund kontaktieren, bevor er ein Tier an sich nimmt.

Ein Problem, das größer wird

Die Hitzeflucht der Küken ist ein kleines, aber deutliches Zeichen für ein größeres Muster. Die Brutbiologie vieler Vögel ist über lange Zeiträume auf gemäßigtere Sommer eingestellt; häufen sich extreme Hitzewellen, geraten die Tiere unter Druck. Für die ehrenamtlich getragenen Auffangstationen bedeutet jede solche Phase Ausnahmezustand. Wer helfen will, hilft am besten mit Zurückhaltung – und indem er im Zweifel die Fachleute entscheiden lässt.