Was die Studie herausgefunden hat
Autos werden Jahr für Jahr größer – und zwar messbar. Die europäische Umwelt- und Verkehrsorganisation Transport & Environment (T&E) hat in ihrer Studie „Ever-bigger? Car size at a crossroads" die Maße neu zugelassener Pkw über Jahre hinweg ausgewertet. Das Ergebnis: Die durchschnittliche Länge eines verkauften Neuwagens nimmt um 1,2 Zentimeter pro Jahr zu. Auch Breite und Höhe legen jeweils rund einen halben Zentimeter jährlich zu.
In absoluten Zahlen heißt das: Lag ein durchschnittlicher Neuwagen im Jahr 2000 noch bei etwa 4,09 Metern Länge, sind es 2026 bereits rund 4,38 Meter. Eine frühere T&E-Analyse hatte zudem gezeigt, dass Autos alle zwei Jahre rund einen Zentimeter breiter werden – und dass damals bereits über die Hälfte der meistverkauften Modelle zu breit für eine genormte Parklücke von 180 Zentimetern war.
Warum Autos immer weiter wachsen
Den Trend nennt T&E „Carspreading" – in Anlehnung an die ausufernde Zersiedelung. Haupttreiber ist der anhaltende SUV-Boom: Geländewagen und SUV-ähnliche Modelle drängen in nahezu jedes Marktsegment, auch dort, wo früher kompakte Limousinen verkauft wurden. Hinzu kommt eine generelle „SUVisierung", bei der Hersteller selbst Kleinwagen höher und bulliger gestalten.
Weitere Gründe: Strengere Crashnormen und mehr Sicherheitstechnik vergrößern die Karosserie, der Wunsch nach Platz und Komfort lässt Innenräume wachsen, und bei Elektroautos beanspruchen die schweren Batteriepakete zusätzlichen Raum im Unterboden.
Die Folgen: Parkplätze, Sicherheit, Stromverbrauch
Setzt sich der Trend ungebremst fort, prognostiziert T&E für 2040 Durchschnittsmaße von etwa 4,56 Metern Länge. Für Städte hätte das gravierende Folgen: Sie würden zwischen 8,5 und 14 Prozent ihrer straßenseitigen Parkplätze verlieren, weil schlicht weniger Fahrzeuge in dieselbe Reihe passen. London könnte demnach bis zu 118.000, Berlin bis zu 117.000 Stellplätze einbüßen.
Besonders alarmierend sind die Sicherheitszahlen. Höhere, kantigere Fronthauben sind für Fußgänger und Radfahrer gefährlicher – und für Kinder, die wegen ihrer Körpergröße eher von der Stoßstange erfasst werden. Gegenüber einem Szenario mit kleineren Autos rechnet T&E bis 2040 mit rund 2.600 zusätzlichen getöteten ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Größere Fahrzeuge bedeuten zudem mehr Gewicht und höheren Energieverbrauch.
Die Debatte: Größengrenzen und Gebühren nach Maß
T&E fordert ein „Right-Sizing": eine Rückkehr zu den Fahrzeugmaßen von 2010 bis 2015 durch mehr Klein- und Kleinstwagen und einen geringeren SUV-Anteil. Einige Städte handeln bereits: Paris verdreifachte 2024 nach einem Bürgerentscheid die Parkgebühren für schwere SUV, und Zürich führt gewichtsabhängige Parkgebühren ein.
Einordnung
Die Zahlen stammen von einer Umweltorganisation mit klarer verkehrspolitischer Agenda – die zugrunde liegenden Maßdaten der Fahrzeuge sind jedoch öffentlich und gut belegt, und die Wachstumstrends decken sich mit Auswertungen der Fachpresse. Strittig bleibt vor allem, mit welchen Mitteln man gegensteuern sollte: über Anreize für kleinere Modelle, gestaffelte Parkgebühren oder gar verbindliche Größengrenzen. Klar ist: Der öffentliche Raum in europäischen Städten wächst nicht mit – die Autos schon.



