Wenn am 6. September in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt wird, steht die CDU unter Druck – und ihr Spitzenkandidat geht auf Abstand zur eigenen Parteispitze in Berlin. Wie der Tagesspiegel berichtet, hält Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) Bundeskanzler Friedrich Merz im Wahlkampf bewusst auf Distanz.
Eigenständig statt Bundespolitik
Schulze, der das Amt von Langzeit-Ministerpräsident Reiner Haseloff übernommen hat, setzt auf ein eigenständiges Profil: der Regierungschef als Mann der Sacharbeit, mit Fokus auf Landesthemen statt auf Berliner Streitfragen. Hintergrund ist die verbreitete Unzufriedenheit vieler Ostdeutscher mit der Bundesregierung – ein Stimmungsbild, das sich nach Einschätzung von Beobachtern nicht auf den Landtagswahlkampf übertragen soll.
Druck von rechts
Der Grund für die Nervosität liegt in den Umfragen: Die AfD liegt in Sachsen-Anhalt deutlich vorn – mit Werten um die 40 Prozent –, während die CDU mit Abstand folgt (ZDFheute). Für die Union ist die Wahl damit auch ein Test, ob die CDU-geführte Bundesregierung Antworten auf die Stimmung im Osten findet.
Merz als dosierter Gast
Ganz ohne den Kanzler wird der Wahlkampf aber nicht auskommen: Schulze hat angekündigt, dass Merz – wie andere Bundespolitiker auch – in Sachsen-Anhalt auftreten werde. Die Dosierung aber bestimmt der Spitzenkandidat. Es ist der Balanceakt, vor dem die Union vor den Ostwahlen steht: Der Parteichef soll helfen, darf aber nicht schaden. Wie eng Merz und Schulze am Ende gemeinsam auftreten, dürfte auch von der Entwicklung der Umfragen abhängen.



