Russland hat in den frühen Morgenstunden des 22. Juni 2026 vorübergehend mehrere Flughäfen rund um Moskau gesperrt. Auslöser war nach Darstellung russischer Behörden ein Anflug ukrainischer Drohnen auf die Hauptstadtregion. Betroffen waren nach Angaben der russischen Luftfahrtaufsicht Rosawiazija unter anderem die Airports Scheremetjewo, Domodedowo, Wnukowo und Schukowski. Der Betrieb wurde demnach für einige Stunden ausgesetzt und anschließend wieder aufgenommen (Reuters via Global Banking & Finance).
Was die russische Seite meldet
Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin teilte über Telegram mit, die russische Luftabwehr habe innerhalb von rund zwei Stunden fast 60 Drohnen abgeschossen oder zerstört. Diese Zahlen stammen ausschließlich von russischer Seite und lassen sich unabhängig nicht überprüfen. Wie viele Drohnen tatsächlich starteten, ihr Ziel erreichten oder welche Schäden am Boden entstanden, blieb zunächst offen.
Im Ukraine-Krieg sind Stückzahlen, Abschussbilanzen und Schadensangaben regelmäßig umstritten. Beide Konfliktparteien veröffentlichen Zahlen, die der eigenen Darstellung dienen; eine neutrale Verifikation durch internationale Beobachter erfolgt in der Regel nicht zeitnah. Angaben sollten daher stets der jeweiligen Quelle zugeordnet werden.
Teil einer wochenlangen Angriffsserie
Die Sperrung vom 22. Juni reiht sich in eine seit Tagen anhaltende Welle ukrainischer Drohnenangriffe auf Moskau und das Umland ein. Den bislang schwersten Angriff hatte es in der Nacht zum 18. Juni gegeben: Nach Angaben Sobjanins schoss die russische Luftabwehr damals mindestens 194 Drohnen auf dem Anflug ab – nach russischer Lesart der größte Angriff auf die Hauptstadt seit Beginn der Invasion (CNN). Auch an jenem Tag stellten die Moskauer Flughäfen ihren Betrieb über weite Strecken ein; Hunderte Flüge wurden verspätet oder gestrichen.
Bei dem Großangriff wurde nach russischen Angaben unter anderem die Moskauer Erdölraffinerie im Bezirk Kapotnja getroffen und beschädigt. Russische Stellen meldeten mehrere Verletzte – die Angaben schwankten je nach Behörde. Auch diese Opferzahlen stammen von russischen Behörden und konnten nicht unabhängig bestätigt werden.
Hintergrund und ukrainische Position
Kiew bestätigt die Urheberschaft solcher Angriffe nicht immer im Detail. Mit Blick auf die jüngste Angriffsserie erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj jedoch, die Schläge seien eine „gerechte Antwort“ auf russische Angriffe (ABC News). Ukrainische Drohnenangriffe zielen seit Monaten verstärkt auf russische Energieinfrastruktur, insbesondere Raffinerien, um Treibstoffversorgung und Kriegswirtschaft zu treffen. Umgekehrt setzt Russland weiterhin massive Luftangriffe gegen ukrainische Städte fort.
Als Reaktion auf die wiederholten Drohnenanflüge kündigte die russische Luftfahrtaufsicht an, auf Bitten des Verteidigungsministeriums den Flug von Drohnen und Leichtflugzeugen über Moskau und Teilen mehrerer angrenzender Regionen weitgehend zu untersagen. Wiederholte Flughafensperrungen gehören in der Hauptstadtregion inzwischen zum Alltag und treffen vor allem den zivilen Luftverkehr.



