Es ist eine Ankündigung mit Signalwirkung für den ganzen Westbalkan: Serbiens Präsident Aleksandar Vučić will sein Amt aufgeben.
Eine Ankündigung, kein sofortiger Abgang
Auf einer regierungsfreundlichen Kundgebung in Belgrad erklärte Vučić am Freitag, er werde „nur noch ein paar Wochen Präsident sein" und dann zurücktreten, berichtet Der Standard. Einen konkreten Termin nannte er nicht. Wichtig ist die Einordnung: Es handelt sich um eine Ankündigung, nicht um einen sofortigen Rücktritt. Seine reguläre Amtszeit hätte erst Mitte 2027 geendet.
Zugleich rief Vučić vorgezogene Präsidentschafts- und Parlamentswahlen aus. Er kündigte an, seine Serbische Fortschrittspartei (SNS) im Wahlkampf zu unterstützen.
Anderthalb Jahre Druck von der Straße
Der Ankündigung gingen rund anderthalb Jahre anhaltender Massenproteste voraus. Auslöser war der Einsturz eines Bahnhofsvordachs in der nordserbischen Stadt Novi Sad im November 2024, bei dem zahlreiche Menschen ums Leben kamen. Opposition, Bürgerrechtler und vor allem die studentisch geprägte Protestbewegung machten Korruption und staatliches Missmanagement für das Unglück verantwortlich und forderten Neuwahlen.
Echter Machtwechsel oder kontrollierter Übergang?
In der Opposition stieß die Ankündigung auf Skepsis. Kritiker werfen Vučić vor, mit dem Schritt einem unausweichlichen Machtverlust zuvorkommen zu wollen. Beobachter verweisen zudem darauf, dass ein Rücktritt vom Präsidentenamt nicht zwingend das Ende seiner politischen Karriere bedeutet: Vučić könnte als Partei- und möglicherweise als Regierungschef weiter die Fäden in der Hand behalten – das Amt des Premierministers hatte er bereits von 2014 bis 2017 inne.
Ob die angekündigten Wahlen einen echten Wandel bringen oder lediglich das bestehende Machtgefüge neu ordnen, ist die entscheidende offene Frage. Ein genauer Fahrplan – Rücktrittsdatum und Wahltermin – stand zunächst nicht fest.



