Wer die Herkuleskeule in Dresden kennt, kennt Wolfgang Schaller. Nun, mit 86 Jahren, zieht der Kabarettist, Autor und langjährige Intendant den Vorhang zu.

Ein Dresdner Original tritt ab

Seit 1970 prägte der 1940 geborene Schaller das Dresdner Kabarett – zunächst als Textautor und Dramaturg, später als künstlerischer Leiter und Intendant. Über Jahrzehnte verantwortete er zahlreiche Produktionen und schrieb eigenwillige politische Texte. Gemeinsam mit seinem langjährigen Weggefährten Peter Ensikat entwickelte er „Diskussionsstücke", die schon zu DDR-Zeiten weit über Dresden hinaus gespielt wurden.

Seine Methode war stets dieselbe: erst die Unterhaltung, dann die politische Zumutung. Das Lachen verstand Schaller als Transportmittel, um über gesellschaftliche Probleme zu sprechen – eine Haltung, die ihn zu einer eigenständigen Stimme machte, vor wie nach der Wende.

„Eh ichs vergesse"

Sein Abschiedsprogramm trägt den Titel „Eh ichs vergesse" – ein Name, den auch ein Buch mit Texten und Kolumnen aus drei Jahrzehnten trägt. Auf der Bühne steht er dabei nicht allein, sondern wird von Birgit Schaller begleitet. Die letzte reguläre Vorstellung ist nach Angaben der Herkuleskeule für den 18. Oktober 2026 im Kabarettkeller des Dresdner Kulturpalasts angesetzt; bis dahin stehen noch einige Termine im Spielplan.

Geehrt, aber nie zahm

Schallers Werk wurde vielfach gewürdigt – unter anderem mit dem „Stern der Satire" auf dem Walk of Fame des Kabaretts, den er gemeinsam mit Peter Ensikat erhielt. Bereits 1988 war er mit einem DDR-Staatspreis ausgezeichnet worden – was ihn nie davon abhielt, eben jenen Staat satirisch zu bearbeiten. 2018 kürten ihn die Dresdner zum „Dresdner des Jahres".

Die Zukunft des Hauses ist gesichert: Die künstlerische Leitung der Herkuleskeule liegt inzwischen bei seinem Sohn Philipp Schaller. Der Vater selbst bleibt dem Publikum mit einer Kolumne in der „Sächsischen Zeitung" erhalten – die Bühne gibt er ab, die Feder behält er. Ein Abschied, der keiner ganz sein will.